Tag 1 –
Anfahrt, Steinbruchstellung Metz
Freitag
morgens ging es dann mit dem von mir traditionell am Abend
vorher beladenen Auto los. Noch flugs die Kids zur Schule fertig
gemacht und gebracht und dann los auf die Autobahn nach Unna.
Dort folgten die Grundlevel Tetris mit Robert und Tobias, das
Auto sah schon recht voll aus. Mit der „geplanten Verspätung“
kamen wir dann nicht wirklich rechtzeitig in Hagen an und
standen vor der Herausforderung, auch noch Marc mit ins Auto zu
bekommen. Das Gepäck füllte jede noch offene Ritze aus und
ehrlich gesagt sah das Auto minimal überladen aus. Nun. Fuhren
wir dann mal mit entspannten 130 statt 150 Richtung Frankreich
los. Die Route sollte uns über Luxemburg führen und ein
erheblicher Teil war in der Tat Bundesstraßen.
Relativ ereignisarm (auch wenn ich innerlich etwas nervös war
über das durch das hohe Gewicht leicht tiefergelegte Auto) kamen
wir bis nach Luxemburg, dort suchten und fanden wir eine
Tankstelle, die nicht an der Autobahn war. Sprit rein (die
Ersparnis war aber eher sparsam) und in der Tanke mit dickem
Letzeburgisch angesprochen… nein, da konnte ich nicht mit
dienen. Kurz geschmunzelt, bezahlt und weiter ging die Reise!
Kurze Zeit später fanden wir dann einen nicht schattigen, aber
relativ brauchbaren Parkplatz am Wald um ein kleines Frühstück
einzuwerfen. Wurde auch Zeit – der Magen grummelte und wir
hatten schon fast drei Stunden im Auto gesessen.
Nach
Kalorienaufnahme und Rehydration ging es dann weiter, dann auch
wieder über die lokalen Autobahnen. Leider gab es kurz vor der
Grenze einen dicken Stau – fast 45 Minuten bewegten wir uns im
einstelligen km/h Bereich, der eine oder andere Mitfahrer holte
sich hier im gekühlten Fahrzeug eine Mütze Schlaf (und ich
machte den Rest vom Kaffee aus der Thermoskanne platt). Aber
auch der Stau ging irgendwann vorbei und wir erreichten nur kurz
nach Plan unser Ziel, den Parkplatz in der Nähe der
Steinbruchstellung. Wobei… wir probierten erst einen anderen
Parkplatz aus, denn den ursprünglich vorhandenen gab es nicht
mehr. Aber wir haben zumindest bis das zweite Team dazu kam die
Gegend leicht erkundet und uns dann im Schatten ein kleines
Mittagessen gegönnt.
Nach einer übersichtlichen Wartezeit kamen dann Alex und Sergey
dazu, wir begrüßten uns überschwänglich – seit drei Jahren
hatten wir uns nicht gesehen! Kurz den Snack beendet, und dann
sind wir relativ nahe an die Stellung herangefahren, wo man
parken konnte, schnappten uns aufgrund des Wetters die eher
leichte Ausrüstung und zogen los in den sommerlichen Wald.
Größere Kartenansicht
Steinbruchstellung
Dank Kartenmaterial und einer Beschreibung die ich per email von
einem anderen „Bunkertouristen“ zuvor bekommen hatte, sollte das
eigentlich nicht zu schwer sein. Es stellte sich dann aber doch
als Herausforderung heraus, denn die Karten stimmten mit der
Wirklichkeit nicht immer überein und in dem unfassbar
unübersichtlichen Gelände verirrte man sich des Öfteren heillos.
So war uns bis eine Stunde später nicht klar, wo wir überhaupt
wären auf dem Gelände…
Nach einigen Hundert Metern jedenfalls bekamen wir erstmal
Stacheldraht und ähnliche Hindernisse zu Gesicht. Offenbar waren
wir in der richtigen Richtung unterwegs. Und dann tauchte auch
nach kurzer Überlegung „gehen wir links oder rechts lang?“ der
erste kleine Bunker auf. Es handelte sich um eine verbunkerte
Toilettenanlage und wie oft wir genau DIESEN Bunkertypen heute
noch sehen würden, das ahnten wir da noch nicht. Flug Kamera
gezückt und das kleine Betonteil begutachtet.
Danach wurde es komplexer – da wir nicht wussten WO auf der
Karte wir waren, ging es erstmal den Weg entlang tiefer in die
Anlage hinein.

(Ansicht
des Stacheldrahtverhaus.)

(Erhaltene Toilette in einem der
vermutlich über hundert Toilettenbunker.)

(Abwassergrube/Pumpensumpf
unter dem Bunker.)
Apropos Anlage:
Die Steinbruch-Stellung (frz. Point d'appui des Carrières
d'Amanvillers, ausführlicher Wikipediaeintrag auf Französisch
hier: ) unterscheidet sich von so ziemlich allen anderen
Stellungen und Festungen, die wir bisher besucht haben.
Da sie in einem ehemaligen Steinbruch ganz in der Nähe des
kleinen Örtchens Amanvillers angelegt wurde, war zu erwarten,
dass man hier das Gelände mit in die Konstruktion einbeziehen
würde.
Heute noch, über hundert Jahre nach Bauende, ist das Gelände mit
Laufgräben, Schützengräben, kleinen Bunkern für Mannschaften und
Drahthindernissen durchzogen. Darüber hinaus gibt es etliche
Beobachtungsbunker. Und eine unfassbare Anzahl an verbunkerten
Toiletten. DAS haben wir so noch nie gesehen!
Das Resultat der nie fertig gestellten Anlage ist so gesehen wie
ein Kaninchenbau: Überall im Gelände verteilt befinden sich
kleine und kleinste Bunker, die Soldaten und deren Ausrüstung
geschützt unterbringen konnten. Das Gelände dazwischen ist aber
komplett unübersichtlich, hügelig und zerklüftet.
Die Sicht ist nicht nur durch den mittlerweile nachgewachsenen
Wald extrem begrenzt, auch die Wege, die in eine Art
Hohlwegstruktur laufen, machen eine Orientierung fast unmöglich
- wortwörtlich an jeder Ecke ist ein neuer Bunker zu finden.

(Alles
klar? Hier sind drei Bunker versteckt...)
Die Aufgabe der Steinbruch-Stellung, die sich ungefähr zwei
Kilometer Luftlinie westlich von der Feste Lothringen befindet
und zusammen mit der Wolfsberg- und Horimont-Stellung (die
besuchten wir am Tag 2) wirken sollte, war es den Zugang zur
Feste Lothringen abzusichern.
Deren Lage war nicht wirklich optimal und hätte bei einem
direkten Angriff vergleichsweise leicht beschädigt oder
eingenommen werden können.
en
Stunde nach, wir machten eine Abmeldung zuhause und rein ging es
in den Stollen.

(Im Grabensystem der
Anlage)

(Lagerbunker von
innen, oben abgehangenes Regal damit Ratten
nichts erreichen können.)
Nachdem wir also das erste kleine Gebäude inspiziert hatten,
setzten wir den Weg weiter fort. Der Weg war recht gut, wir
trafen immer wieder mal Mountainbiker, die das Gelände befuhren.
Von daher fühlten wir uns auch nicht ganz so unwohl, wenn die
lokale Bevölkerung die Warnschilder am Eingang offenbar auch
alle ignorieren.
Rechter Hand tauchte nach kurzer Zeit dann zum einen ein
Autowrack in einem Graben auf, aber auch deutlich mehr Beton,
wir fanden hier einen kleinen Gruppenunterstand der leider
voller Mücken war. Viele Reste waren nicht zu entdecken, nach
ein paar Bildern zogen wir weiter. Immer dem Pfad folgend trafen
wir dann auf die nächsten Bunker. Auch hier machten wir
entsprechend Bilder und schauten uns die kleinen Stellungen an.
Schnell wurde klar, dass hier immer wieder die gleichen Bunker
zu finden waren, mit nur geringer Abweichung:
- Toilettenbunker
- Kleine Mannschaftsunterstände
- Mehr Toilettenbunker
- Lagerbunker
- Noch mehr Toilettenbunker
- Beobachterpositionen
- Hatte ich die Toiletten…? Ja? OK dann...

(Die andere Seite des Lagerbunkers.
Wirklich gut erhalten, wenn auch leer.)

(Innere einer
Beobachterkuppel - erhaltener, ausfahrbarer Sitz. Unten
klappbare Fußrasten.)
(Da kann man mal
eben Pause machen - unterirdischer Mannschaftsraum)

(Auch interessant - Beobachterposition von oben.)

(...und von unten - auch hier mal eben 120 Jahre
altes Holz noch in situ)
Die gossen Ausnahmen waren dann später die
Grabenstreichen und die offenen Feldbettungen für
Infanteriegeschütze. Letztere waren immer in Begleitung von ein
oder zwei sehr kleinen Infanterieunterständen, die aber wohl nur
als Splitterschutz gedient haben können durch die geringe
Wandstärke und mangelnde Überdeckung.
Nach einer Stunde waren wir schließlich an einem Punkt
angelangt, wo ich endlich eine Übereinstimmung zwischen Karte
und Bunkern feststellte. So war dann auch klar, das wir ungefähr
die Hälfte der im Inneren Bereich der Anlage befindlichen Bunker
gefunden hatten.

(...anderer Lagerbunker mit Halterungen. Oder
Schlafraum?)

(Gewehrhalter an der Wellblechdecke)

(...und hier ging es abwärts - lieder alles
volllgelaufen.)
Als nächstes stand der Weg zu den
Grabenstreichen an, diese wollten recht groß und interessant
sein – auch wenn sie nie fertig gebaut wurden. Nachdem wir uns
etwas querfeldein durch das Gelände gequält hatten (was aber auf
den Bildern eher mäßig beeindruckend immer wirkt) kamen wir dann
zur ersten Streiche, fast direkt neben der Schnellstraße. Der
Bereich hier war erheblich tiefer als der Rest des Geländes, ein
Einfaches von A nach B laufen, wie es auf der Karte aussah:
Pustekuchen! Es ging also die Streichen entlang und irgendwann
entdeckten wir den ersten Bunker. Spannend – auch wenn die
Bauweise uns recht bekannt vorkam. Von den Bunkern aus gingen
Tunnel in das Geländeinnere, aber diese waren soweit wir das
beurteilen konnten, nicht komplett gebaut worden.

(Durch die Gräben hin zur Streiche.)

(Das völlig zerklüftete, unübersichtliche Gelände.)

(Sprengversuch oder Kampfspuren? aufgesprengte Tür
an einem der Bunker. Neben der Tür diverse Splittereinschläge.)

(Ansicht des Grabens, es dauerte ewig
durch den Verhau zu kommen.)
Eine Ausnahme gab es – wir fanden eine
Grabenstreiche nach kurzer Zeit, die wir nicht von außen
betreten konnten (zugegeben: Über einen engen, schlammigen
Notausgang hätte man da was machen können), gingen von dort zur
im Inneren liegenden Parallelanlage und in der gab es dann nach
einer steilen engen Treppe nach unten in der Tat einen halb
verstürzten Gang, der zur anderen Anlage führte. Beide haben wir
uns angesehen, allerdings war von den Inneren nicht sehr viel
erhalten. Dennoch spannend zu sehen! Da wir der wackligen Leiter
im Notausgang nicht trauten, mussten wir dann den ganzen Weg
unter der Erde wieder zurück. Klappte aber.

(Ansicht der Grabenstreiche mit
Bewehrung oben.)

(Im Inneren der Streiche - leer aber
top erhalten.)

(Auf der Treppe hoch zur zweiten
Etage)

(Blind endender Hohlgang)
Von dort aus sind wir dann „querfeldein“ an
Infanteriehindernissen zurück zum Mittelpunkt der Anlage
gelaufen, wollten von da aus dann zum uns unbekannten Teil auf
der anderen Seite kommen. Leider war dort ein Steilhang, der ein
Weiterkommen recht schwer machte.

(Abgang zum Hohlgangsystem - was ja
leider nur Stummel sind.)

(Leiter zum Notausgang - man beachte
den üblen Zustand des Tunnels...)
Aber auch den haben wir dann an passender
Stelle erklommen und fanden uns wieder an dem Punkt, wo wir
zuvor schon die Karte und Bunker endlich abgleichen konnten.
Flugs marschierten wir los – nur um dann festzustellen, das
inzwischen eine Menge Zeit vergangen war und die Karte hier dann
doch eher nur eine grobe Orientierung bot.
Einige der eingezeichnete Wege waren
schlichtweg nicht mehr da, so fanden wir eine Kette an Bunkern
leider nicht mehr. Wir lenkten dann unsere Schritte in Richtung
der Autos, der Weg war eh noch weit genug. Dort dann angekommen
haben wir schnell uns rehydriert und dann nach kurzer Absprache
den Weg zum Hotel eingeschlagen.

(Langzeitaufnahme im Hohlgang )

(Panzerscharte in der mittleren
Streiche.)
Das dauerte eine knappe halbe Stunde und kurz
vor Ankunft stellten wir fest, das wir ein wenig den
Versorgungsplan umwerfen müssten: Der lokale McDonalds, perfekt
in fussläufiger Entfernung zu den Hotels in dem Industriegebiet,
war abgebrannt und mit Bauzäunen abgesperrt! Da war also keine
Nahrung zu bekommen. Nun, ab zum Hotel, ich hab dann mal für
alle eingecheckt und die Zimmerkarten besorgt.
Nachdem das erledigt war, war erstmal eine
gute Dusche angesagt, kurze Rückmeldung zuhause das alles OK sei
und dann schaute ich mal nach alternativen Mäkkes Futterstellen.
Danke moderner Technik und lokalem Datenbudget war das per
Smartphone schnell erledigt und wir fuhren in einem kleinen
Konvoi los. Alex und Sergey wollten dann noch „eben schnell“
einkaufen, also verspachtelten wir die traditionellen
Cheeseburger (unverschämt teuer mittlerweile!) in Rekordzeit.
Kaum am Parkplatz wieder angekommen wurde es
auch höchste Zeit, das traditionelle eiskalte Hansa aus der Dose
zu eröffnen. Die Kühlbox wanderte dann irgendwann ins Zimmer so
das am kommenden Tag wieder kalte Getränke vorhanden wären.

(Stollen in üblem Zustand!)

(Und wieder ab nach oben....)

(Der traditionelle anti-intellektuelle
Schutzwall abends auf dem Parkplatz. Kalt und gut!)
Die kommenden gut zwei Stunden verbrachten wir mehr oder minder
bequem auf diversen Picknickdecken neben den Autos und bauten
aus den zunehmend leerer werdenden Dosen einen kleinen
anti-intellektuellen Schutzwall. Traditionen, so wichtig!
Viel, viel gab es untereinander zu erzählen und als zu später
Stunde noch ein belgischer Gast mit Frau erheitert an uns vorbei
kam, wurde die angebotene Dose guten (oder zumindest
funktionellen) Hansas bestgelaunt mitgenommen. Wunderbar sowas.
Auch eine Tradition war es danach, erschöpft in die Hotelbetten
zu fallen, da wir im einigermaßen komfortablen Yutzer Hotel
wieder waren, klappte das auch und eine erholsame Nacht später
war es dann Zeit für den:
Tag 2 - Horimont Stellung, Gros Ouvrage
Michelsberg, PO Denting
Der Morgen graute und das Wetter versprach gemäß der
Wettervorhersage hochsommerlich warm zu werden, obwohl wir im
September erst unterwegs waren. Entsprechend kontrollierten wir
nochmal die Wasservorräte, luden einige Getränke ins Auto für
den Tag und schauten in den Plan. Start war die fast direkt
neben der Steinbruchstellung liegenden „Horimont-Stellung“.
Auch diese Stellung aus der Prä-WW1 Zeit war nie vollendet
worden, auch hier würde es eher ein „aufstrebendes Werden“ im
Bereich Bunkerbau zu sehen geben, als eine monolithische Festung
klassischer Prägung, eine verzweigte tief verbunkerte Anlage a
la Maginotlinie oder eben die Zwischenstufe, die alten Forts mit
abgesetzten Bunkern. Nein, dies würde eher viele kleine
Stellungen in einer riesigen Baugrube sein, in unterschiedlichem
Grad der Vervollständigung.
Nach kurzem Boxenstop bei einer Bäckerei für ein paar nahrhafte
Grundlagen ging die Fahrt los.
Größere Kartenansicht
Zum Background der Anlage nur soviel:
„Die Horimont-Stellung befindet sich etwa 1,5 km entfernt von
der Feste Lothringen (Groupe Fortifié Lorraine) und einige
hundert Meter von der Steinbruch-Stellung (Ouvrages
d'Amanvillers) entfernt. Die einzelnen Werke sind über eine
Länge von ca. 3 km verteilt und befinden sich zwischen der
Straße von Amanvillers nach Fèves und dem Bitteron-Bach (unweit
der Autobahn Paris-Metz).
Die Horimont-Stellung befand sich im Bau von 1912 bis 1916. Die
"Ouvrages Canrobert" (Horimont-Stellung) wurde(n) nach dem
französischen Marschall François-Certain Canrobert benannt,
welcher im Jahre 1870 verantwortlich für die Verteidigung von
St. Privat (in der Nähe von Metz) war.
Die Infanteriewerke sind im Norden durch einen, in den Fels
gehauenen, Graben geschützt, welcher aber z.T. nicht
fertiggestellt wurde. Dieser Graben wurde von zehn
Infanteriekasematten verteidigt. Zwischen der Straße
Amanvillers-Fèves und dem Graben befinden sich etliche
Unterstände und Beobachter. Die gesamte Stellung ist in drei
Gruppen gegliedert: Horimont (Canrobert) 1, 2 et 3. Auf dem
gesamten Gelände befinden sich Schützengräben welche von einem
Unterstand zum anderen führen. Zentral in der Horimont
3-Stellung befindet sich ein großes Wasserreservoir.
Außerdem gab es vier gepanzerte (mobile) Bettungen für
5-cm-Kanonen in den Infanteriewerken Fèves und Horimont 3. Das
Werk Horimont 1 war mit 10 Beobachtern ausgestattet. Horimont 2
hatte zwei Infanteriebeobachter auf den Kasematten F und G. Auf
dem Gelände befanden sich ebenfalls unzählige Spähposten.
Insgesamt wurden auf dem gesamten Horimont-Gelände 78
Unterstände eingerichtet. Die Wasserversorgung wurde durch
Wasserzisternen garantiert.“

(Erste Lagerbunkerkette gefunden, keine 20m
neben der Schnellstrasse)

(Super unübersichtliches Gelände, auch
mit Lageplan war es schwer sich zu orientieren!)
Leider habe ich aktuell nicht die Quelle für den
Text, er stammt aus einer eMail die ich vor mittlerweile drei
Jahren bekommen habe von jemanden, der damals die Anlage besucht
hat und mir freundlicherweise die Infos zur Verfügung gestellt
hat (was die Planung erheblich vereinfacht hat!).
Soweit also zu dem, was wir die kommenden Stunden versucht
haben, uns anzusehen. Nachdem wir nach übersichtlicher Fahrt
wieder an dem Parkplatz vom Vortag angekommen waren (also – dem
ersten von beiden) – machten wir uns nach Einnahme von etwas
Frühstück mit ein paar Getränken und eher leichtem Gepäck auf
den Weg in den Wald.
Schon von der Straße aus konnte man erahnen
„hier ist was“ – denn sofort fielen einem die Schützengräben
auf, die die Landschaft durchzogen. Schon bald fanden wir direkt
neben dem Trampelpfad den ersten, relativ tief im Boden
liegenden Bunker, der mit den nächsten beiden Bunkern durch ein
Grabensystem verbunden war. Alle Bunker, die wir hier fanden,
sahen im Prinzip gleich aus: Eingang mit Zickzackschikane und
danach ein Lagerraum mit Bänken bzw. Regalen an den Seiten und
einer erhöhten zentralen Lagerplatte in der Mitte des Raums die
an Ketten hing (vermutlich zum Schutz vor Ratten). Noch war uns
das nicht klar, aber nachdem wir den Xten Bunker der Bauart dann
gesehen hatten, wurde es wie am Vortag doch etwas repetitiv…

(Die überaus tiefe (20m?)
Grabenstreiche in die wir runter wollten. Das sieht auf dem Bild
nciht wild aus aber man beachte, wie gross und lang die Bäume
darin sind!)

(Nicht risikoloser Abstieg in den
Graben)

(Unten angekommen, vor uns liegt Beton
- die erste doppelstöckige Grabenstreiche!)
Aber auch hier sollten die Grabenstreichen das Spannendste sein
und ohne es vorwegzunehmen: Das war es auch. Wir begannen unsere
Erkundung ziemlich genau in der Mitte der zweiten
Horimontstellung (so dachten wir jedenfalls, in Wahrheit war es
aber der östliche Rand der ersten Horimontstellung!) und wollten
uns langsam nach Westen zur ersten Stellung vorarbeiten.
Letztlich haben wir eigentlich „nur“ die erste Stellung komplett
erkundet – die Karte war da leider etwas verwirrend.
Insgesamt sind diese Stellungen durch die
Streichen außen „verbunden“. Nachdem wir einige der Lagerbunker
erkundet hatten, stießen wir auf einen gepflegten Rad- und
Wanderweg, der nur in wenig Entfernung zur Streiche
entlangführt. Und diese war wirklich riesig. Auf den Bildern
kommt es kaum rüber, aber diese war deutlich über 20m breit und
tw. 10m tief. Es stellte sich also schon schwer dar, überhaupt
die steilen Wände herunterzukommen. Nach einiger Wanderung
fanden wir aber eine gute Stelle für den Abstieg und brachten
den dann auch gut hinter uns.

(Da möchte man nicht dran festhängen
oder drauftreten - alte Infanteriehindernisse noch original
gestrichen!)

(Verwunschener Weg mit
Infanteriehindernissen zwischen den Streichen)

(Wir klettern in die erste Streiche,
schönerweise liegen Steine vor der Tür die das vereinfachen)
Unten in der Streiche angekommen wichen wir
den zahlreichen Infanteriehindernissen und alten
Stacheldrahtverhauen aus, bis wir zur ersten der zweistöckigen
verbunkerten Grabenstreichen kamen. Diese haben wir dann auch
prompt erkundet. Innen erinnerte vieles an Fort Koenigsmacker –
kein Wunder, beides war grob zur ähnlichen Zeit gebaut worden.
Man merkte sofort, das hier nichts fertig wurde, aber spannend
war es auf jeden Fall.
Nachdem wir das erste kleine Werk erkundet
hatten, gingen wir durch die tiefer werdende Streiche zum
zweiten Bauwerk nach Norden. Der Weg war relativ gut begehbar
wenn man den Infanteriehindernissen auswich. Wie immer mussten
wir hier etwas langsamer und vorsichtig agieren. Der zweite
zweistöckige Bunker war ebenfalls sehenswert – hier waren auch
diverse Explosionsspuren zu finden. Ob diese durch
Kampfhandlungen oder spätere Versuche entstanden, war mir nicht
ganz klar, es sah aber eher nach Kampfspuren aus. Beeindruckend,
wie hier der Beton und die Panzerplatten nach innen eingedrückt
wurden. Auch das angefangene Tunnelsystem war schön zu sehen,
wenn auch kurz leider.

(Aus der Streiche heraus - man sieht
im Vorfeld die Hindernisse und weiter hinten den tiefen Graben
und die steilen Wände)

(Auf dem Weg zur nächsten Streiche)

(Krasse Zerstörungen im Inneren der
Streiche. Kampfspuren eventuell?)
Nachdem wir einige Bilder gemacht haben, sind
wir „der Einfachheit halber“ nach Westen in Richtung nächster
Bunker gegangen. Der Weg durch die Grabenstreiche wurde hier
aber zu einer Art Gang durch den Dschungel. Ein Pfad war bald
nicht mehr vorhanden, der Weg durch rutschige Steine und Äste
gekennzeichnet. Nur sehr langsam kamen wir hier in der Natur
voran, wenigstens gab es einige beeindruckende Bilder und
Eindrücke. Der weg dauerte also recht lange, schließlich kamen
wir aber am Ende an und sahen in der Ecke den Bunker. Ein
Einstieg war über eine eher wackelige Steinstapel Konstruktion
möglich – und am anderen Ende der Grabenstreiche war Erdreich in
die Streiche gerutscht, so das wir an der Stelle relativ gut
später wieder nach oben in die Anlage gelangen würden.
Flugs also in die Anlage eingestiegen und
erkundet. Auch hier war doch ein wenig erhalten und als
Besonderheit fanden wir am Ende der Anlage den Zugang zu einem
Tunnel. Dieser war leider nicht fertig gebaut, insbesondere
fehlte eine Leiter oder Treppe, um nach unten zu gelangen. Ein
paar Mutige sind dennoch mit Seil gesichert abgestiegen und
fanden unten einen leeren Tunnel vor, der in einem Schacht ohne
Aufstiegsmöglichkeiten endete. Interessant!

(Idyllischer aber schwerer Weg durch
die Natur die sich die Grabenstreiche erobert hat)

(Fundstück auf dem Weg: Hier wurde
gezielt geschossen...)

(Die dritte grabenstreiche in der
ersten Horimontstellung, man sieht deutlich die beiden Etagen.)
Nachdem wir wieder alle hochgezogen hatten,
ging der Weg zurück nach Draußen und wir erkletterten den Rand
der Anlage. Wir fanden uns fast direkt an der vom Vortag
bekannten Straße wieder und machten uns zurück in die Richtung
wo wir gerade herkamen. Auf dem Weg fanden sich erneut einige
der Lagerbunker und nachdem wir jeden Einzelnen (!) kontrolliert
hatten, fanden wir in der Tat drei Bunker, von wo aus die Tunnel
per Schacht hätten zugänglich sein sollen. Die Schächte waren
gebaut aber es gab in ihnen keine Leitern. Bei zumindest einem
der Schächte war ein Teil einer Flaschenzugkonstruktion
erhalten, zumindest in diesem Fall war also eine Art
Munitionstransport per Lastkorb offenbar eingebaut oder sollte
eingebaut werden.

(Das Ende des Grabens - hier wurde
nicht zu Ende gebaut. Steiler Abhang den wir dann hochmussten.)

(Schöne Versinterungen in der
Grabenstreiche)

(Unser engagierten Mitfahrer seilen
sich ab in den Tunnel, der zum unteren Ende des Schachts von den
Lagerbunkern führt.)
Da sich der Rest der Bunker komplett wiederholte und die Zeit
langsam drängte, sind wir dann nicht mehr zur zweiten Stellung
rübergegangen (der Weg wäre auch nicht ganz kurz gewesen)
sondern sind zu unserem zweiten Ziel des Tages aufgebrochen.
Also zurück zu den Autos, auffällig unauffällig die stark
befahrene Strasse überquert, schnell etwas Wasser getankt und
die Fahrt ging los zur GO Michelsberg, die schon seit Jahren auf
der „To do Liste“ stand.

(Blick von oben auf das westliche Ende
des Systems.)

(Noch ein paar Lagerbunker, hier mit
Zugang zum Schacht zum Hohlgangsystem)

(Abwärts in den Schacht - besser nicht
reinfallen!)

(Noch ein paar Bilder - hier ist ein
Teil der Treppe erhalten aussen)

(Kleines Detail: Gewehrhalterung und
noch funktionsfähige Abluftöffnungen im Bunker)
Gros
Ouvrage Michelsberg
Das
Werk Michelsberg ist ein großes Artilleriewerk der
Maginot-Linie. Die ab 1930 erbaute Festung wurde 1937 an die
Armee übergeben. Sie war Teil des befestigten Sektors von Boulay
(SF), der wiederum in die befestigte Region Metz integriert war.
Das GO
Michelsberg besteht aus einem gemischten Eingangsblock (Entre
Mixte), der Personal, Munition und Ausrüstung beherbergte. In
Feindrichtung besteht es aus fünf Kampfblöcken, die mit sechs
Kanonen, zwei Mörsern, mehreren Dutzend Gewehrscharten und
Maschinengewehren in Scharten und Kuppeln ausgestattet waren.
Seine Feuerkraft betrug eine Tonne Granaten pro Minute in einem
Umkreis von mehr als zwölf Kilometern.
Größere Kartenansicht
Der imposante 135mm-Geschützturm den man sehen
kann, ist mit seinen 265 Tonnen Gewicht das größte Turmmodell
der Maginot-Reihe. Wie auch bei den anderen gros Ouvrages der
Maginotlinie handelt sich um eine echte unterirdische „Stadt“
(oder eher ein Dorf), das sich in einer Tiefe von 30 Metern
befindet. Die unterirdischen Räumlichkeiten verfügten über für
die damalige Zeit hochmoderne Anlagen mit riesigen Generatoren,
elektrischen Küchen, einem Kommandoposten, einer Kaserne und
einem kleinen elektrischen Zug, der über mehr als einen
Kilometer durch Stollen fuhr.
„Das 1937 fertiggestellte Werk Michelsberg erlebte seine erste
Mobilisierung im Jahr 1938, insbesondere aber beim
Kriegseintritt Frankreichs mit Deutschland dann. Im September
1939 war die Besatzung von 515 Mann komplett. Auf Befehl von
Commander Duvauchelle und dann später von Commander Jules
Pelletier sah sich die Garnison des Werks mit der Langeweile des
„Sitzkriegs“ konfrontiert. Diese Monate der Inaktivität
ermöglichten es den Männern, sich mit den Anlagen vertraut zu
machen und vor allem die Verteidigung durch zusätzliche
Vorkehrungen zu stärken.
hen.
Im Mai
1940 stellte der deutsche Durchbruch in den Ardennen die
französische Armee vor riesige Probleme und im Juni 1940 wurde
das Werk durch einen Brand auf die Probe gestellt. Die deutschen
Truppen griffen den Sektor Boulay an, um eine Bresche an den
Ouvrages Mt des Welsches und Michelsberg in der Maginotlinie zu
schaffen. Da sie nicht in der Lage waren, beide Werke
gleichzeitig anzugreifen, konzentrierten sie am 20. Juni 1940
ihr Artilleriefeuer auf den Michelsberg. Eine 8.8er Flakbatterie
bedrohte die Strukturen des Werks ernsthaft. Die heldenhafte
Besatzung leistete der Festung, die sie verteidigte, würdigen
Widerstand. Innerhalb weniger Tage fiel eine regelrechte
Feuerflut auf die Elemente des deutschen 95 ID. Mehr als 6000
Granaten wurden von den Michelsberg-Kanonen abgefeuert. Der 22.
Juni 1940 markierte den größten Tag der Aktivität mit einem
schweren Brand auf Block 2 des Gebäudes. Doch am Steuer seines
135-mm-Turms zerstörte Leutnant Deschamps das feindliche
Artilleriehauptquartier und insbesondere die 88er-Batterie.
Wie fast die gesamte Maginot-Linie verließen die Verteidiger des
Michelsbergs das Werk am 4. Juli 1940 ungeschlagen und gingen
für mehr als vier Jahre in Gefangenschaft.“
Soweit zur Geschichte des Werks laut der Homepage des Vereins,
der heute die GO betreut. Auch hier hat Corona zugeschlagen,
auch hier sind nur noch wenige Aktive mit der Erhaltung des
Werks betraut. Wenn nicht das eine oder andere „Original“ sich
mit diesen Dingen beschäftigen würde, dann wäre schon längst
vieles nicht mehr erhalten oder zugänglich und würde den
Kabelratten und Metalldieben anheimfallen.
Doch bevor wir uns längere Zeit
unter die Erde bewegten, nahmen wir ein ausgiebiges Essen zu
uns, ließen und die morgens an einer Bäckerei erworbenen
Baguettes und Croissants schmecken und plünderten die
mitgebrachten Minisalamis und Co.

Eine der LMG Scharten am Eingang - hier
durfte man mal "Anfassen")

(Die ausführliche Vorstellung der
Werkstatt und des Motors.)

(Das Gespenst bei der Arbeit -
supernette Demo der Maschine.)
Unaufgefordert angesprochen wurden wir hier von
einem „besorgten Bürger“ – bzw. am Thema Bunker offenbar
außerordentlich interessierten Mann. Der bestand dann auch auf
auf korrekteste Bezeichnung von Bunkern/Kampfständen/Sonstwas
und fiel uns mithin sofort ganz positiv auf. Nun. Wir
konzentrierten uns aufs Essen und die Antworten wurden dann
irgendwann einsilbig genug, dass er Abstand von uns nahm.
Umso größer war dann die leicht unangenehme Überraschung das es
sich hierbei um den deutschsprachigen Tourguide handelte, der
uns dann in der Anlage nach Vorzeigen der Tickets in Empfang
nahm. Das ging ja gut los… Nachdem dann geklärt wurde, das es
kurz nach uns eine französischsprachige Gruppe gab, und die
Leute passend verteilt wurden, nahm man uns mit in die Anlage.
Und die ist wirklich sehenswert!

(Eine leichte Schimmelbelastung in der
Anlage.)

(Ausgebautes Doppelgeschütz aus einem
Turm zur Demo.)

(Ich bin mir fast sicher das wir DIESE
Küche schon mal woanders gesehen haben zuvor...)
Wir begannen mit einer ausführlichen, wenn auch
relativ schnell abgehandelten Einleitung was die Maginotlinie
und deren Ouvrages sei, sahen dabei den Eingangsblock und
schwupps fanden wir uns auf dem Weg in die Innereien der Anlage
wieder. Für uns soweit keinerlei Neuland, aber immer wieder
schön, solche Anlagen sehen zu können.

(Für mich ein Highlight: Die
Beleuchtung im Tunnel, das hier hatte ich noch nie gesehen)
Was auf jeden Fall Neuland war, war eine
Live-Demo der Diesel mit denen Strom für die Anlage ursprünglich
produziert wurde. Die hatte ich bisher ein einziges Mail
miterlebt als ich 2006 in Fort Schoenenbourg war. Dort lief der
Motor auch einmal zu Demozwecken. Hier wurde der mit ordentlich
Pressluft angeblasen und dann ratterte die alte Maschine los,
die Luft roch nach Diesel und es war beeindruckend laut. Als ob
die Szene mit dem Maschinisten in „Das Boot“ lebendig wurde –
und der nette Mensch von dem Verein der die Maschine betreut,
hat auch optisch dort gewisse Ähnlichkeiten gehabt.
Nach vielen Fotos und kurzem Video wie der Motor lief, ging die
Tour weiter. Wir bedankten uns für die tolle Demonstration und
marschierten Richtung Magazin bzw. Kasernenblock.

(Im Generatorbereich)

(Geschützturm)

(Tolles Absperrgitter)
Dort angekommen konnten wir eine äußerst
schimmelige Dusche bewundern und ein ausgebautes Turmgeschütz.
An dem wurde dann demonstriert, wie der Verschluss funktionierte
(im Handbetrieb). Als scharf geschossen wurde, wurde das durch
den Druck der Granaten wieder neu geladen, hier simulierte einer
vom Verein per Hand, wie das Ganze funktionierte. Sehr spannend!
In der Küche gab es dann drei toll erhaltene Kochtöpfe zu sehen
(ob die aus Molvange stammen?), den originalen Backofen und
Boiler. Also so richtig viel und in gutem Zustand.
Auf dem Weg zum Block 6 machten wir einen Abstecher zum
Kommandostand, hier war im Vergleich zu anderen Werken leider
weniger erhalten, aber immerhin. Dafür gab es tolle
Beleuchtungen die noch aus alten Zeiten stammten in der
Hauptgallerie.
Am Block angekommen machten wir uns auf den langen Weg nach
oben. Dort angekommen erwartete uns die aus anderen Werken
bekannte Turmmechanik, die ausgiebig erklärt wurde. Wir kriegten
etwas Extrazeit um Fotos zu machen und viele Fragen stellen zu
können, das lohnte sich wirklich.
Danach ging es dann auf den recht langen Weg zurück zum Ausgang,
wir verabschiedeten uns von unserem Tourguide und nach Mitnahme
einer Visitenkarte haben wir dann mal die andere Feste die von
dem Mann mitbetreut wird, als mögliches Ziel für 2024 ins Auge
genommen. Ob das auch so passiert, wird man im nächsten
Tourbericht lesen können!
Kurze Wasserpause und dann fuhren wir los zu
einem alten Bekannten, dem PO Denting.
Petit Ouvrage Denting
Das Petit Ouvrage in der Nähe des Orts Denting
gelegen war schon einmal ein Ziel von mir – 2010 waren Robert
und ich vor Ort, aber da war es leider frisch mit Erde
zugeschüttet worden und im Beisein eines netten aber
aufmerksamen Bauerns wollten wir dann nicht lange nach
alternativen Einstiegen suchen. Ergo sind wir damals dann zum PO
Hobling gefahren und Denting kam auf die „muss ich später
nochmal hin“ Liste. Dort blieb es nun satte dreizehn Jahre lang
– immer wieder mal als Ausweichziel aufgenommen und aufgrund der
nicht großen Größe für dieses Jahr das perfekte dritte Ziel am
zweiten Tag der Tour.
Das ab 1931 geplante und gebaute Werk besteht aus drei Blöcken,
einer davon dient als Kampf- und Eingangsblock, ähnlich wie bei
PO Welschhof. Wie auch dort sollte das PO ursprünglich größer
sein mit einem abgesetzten Eingangsblock und der Möglichkeit,
noch zusätzliche Kampfblöcke hinzuzufügen. Das wurde aber nicht
umgesetzt und auch die Bewaffnung der kleinen Anlage war eher
übersichtlich. Gerade einmal zwei PAKs wurden in der Anlage
verbaut, drei GFM Türme und zwei Zwillings-MG Türme stellten
einen Großteil der Bewaffnung dar (plus zwei oder drei weitere
MGs die tw. in den Mix-Scharten mit den PAKs genutzt werden
konnten. Das Werk war weder 1940 noch 1944 in Kämpfe verwickelt
und überstand den krieg daher recht unbeschadet. Noch bis in die
frühen 70er Jahre hinein wurde es von der französischen Armee
instandgehalten, aber nicht wirklich modernisiert. Die heillos
veraltete Anlage wurde dann verkauft und ist derzeit im Besitz
der Gemeinde.
Da es Mitte der Nuller-Jahre leider einen Run auf die Anlage kam
unter anderem durch einen weitverbreiteten Post in einer
Geister- und Mysteryseite im Internet, wurde es der Gemeinde mit
der ungebetenen Laufkundschaft zu viel und Ende 2009 wurde die
Anlage zugeschüttet. Und genau deswegen standen wir 2010 vor
zwei großen Erdhaufen, statt hineinzuklettern.
Größere Kartenansicht

(Die noch fast funktionierende
Observationskuppel.)

(Treppe abwärts zur Gallierie)

(Die Filteranlage - also richtig gut
ehalten noch! )
Nun ist es so, das sich Erde mit einem Spaten
bewegen lässt und offenbar haben das genug Interessierte in der
Folge gemacht, so das seit mindestens 2014 die Anlage wieder
befahrbar ist – wenn auch weniger bequem als früher. So machten
wir uns also auf den Weg und parkten unsere Autos ca. 1,5km weg
von der Anlage an einer Stelle, wo früher eine wilde Müllkippe
war. Dort stand zwar ein Bagger, aber Samstags abends wurde hier
nicht mehr gearbeitet und wir hatten freie Bahn, zur Anlage zu
laufen.
Dort angekommen wollten wir erst um den
Kuhzaun drumherum zum Block 2, doch schönerweise kam von
denjenigen, die eine Abkürzung nehmen wollten, bald die Meldung
das auch Block 1 aufgebuddelt sei und man da schneller rein
käme. Hurra! Also ab durch die Kuhweide, unterm Elektrozaun
durch und los ging es durch das enge Loch der 47mm PAK-Scharte
in die Anlage rein. Einer nach dem anderen zwängte sich durch
die Engstelle und nachdem wir alle drin waren, ging es mit Helm
auf und Licht an nach unten in die Finsternis des Petit Ouvrages
(zugegeben nachdem wir zuerst die oberen Etagen uns ansahen mit
GFM Turm und Co) – hier war doch deutlich mehr zu sehen erhalten
geblieben, als die eher verhaltenen Berichte vermuten ließen.

(Ließ sich noch bewegen - kleine
Scharte im Bunker.)

(Morsche KLapptische in der Gallerie,
die als Speisesaal auch genutzt wurde.)
Unten in der Galerie angekommen machten wir uns
auf den Weg zu den Filteranlage. Rund sechs Stockwerke tief im
Boden angelangt wurde hier wie in den anderen GOS und POs die
Außenluft gefiltert. Gut erhalten und ein Teil der Handlüfter
hing auch noch mit dran. Klasse! Ebenfalls gut erhalten waren
die Klapptische im Hauptgang der Anlage. Hier konnte die
Besatzung ihr Essen einnehmen, normalerweise sind diese Tische
aber alle verschwunden bzw. verrottet. In Denting aber nicht –
der eine oder andere Tisch lässt sich sogar noch vorsichtig
bewegen und einhaken!
Wir gingen weiter den eher kurzen Weg zum Block 2 der Anlage.
Bei nur drei Blöcken würden wir hier wohl bald durch sein, aber
auf dem Weg dorthin fanden wir noch ein paar außergewöhnliche
Dinge. Unter anderem den Zugang zum begehbaren Abwasserstollen –
den haben wir aber nicht bis zum Ende durchwandert, auch wenn es
sicher mal schön gewesen wäre, zu sehen wo der nun endet. Außen
ist er offenbar verschüttet.
Am Kommandoposten konnten wir insbesondere noch Reste der
Elektroausstattung finden. Ein paar gut erhaltene Beschriftungen
und Wandmalereien ließen sich auch entdecken, dazu mehr oder oft
eher weniger gelungene neuzeitliche Graffiti. Auch die
Waschräume sowie sanitären Anlagen waren noch recht gut erhalten
(letztere wie so oft aber irgendwann durch Besucher benutzt,
was… nicht schön ist).

(Moderne Graffitti - aber nicht
überall zum Glück.)

(Hauptquartier und Telefonzentrale -
leider schwer geplündert.)

(Highlights wie Beschriftungen waren
dabei.)
Auch der Maschinenraum enthielt noch mehr als
manch anderes Werk, zwar optisch weniger schön als etwa damals
Welschhof, aber es gab noch so einiges zu sehen.
Nachdem wir auch die kleine Krankenstation gesehen hatten (und
uns über das Laken auf einer der Liegen wunderten – möchten wir
WIRKLICH wissen, was hier so manche Gruppe unter der Erde
treibt?) ging es an den Aufstieg zum Kampfblock. Wieder sechs
Stockwerke hoch und die Temperatur stieg sofort merklich an.
Sehr gefährlich leider der offene Schacht – hier ist nichts im
Weg, was einen davon abhält, sechs Stockwerke tief auf Schrott
zu fallen. Da ist wirklich Vorsicht angesagt! Wir machten einige
Bilder vom Kampfblock, insbesondere die erhaltenen
Beschriftungen rund um die Hülsenrutsche waren eine
Besonderheit. In der oberen Etage des Blocks fand sich dann die
zweite PAK Scharte und hier war der Zugang noch einfacher als
die Scharte, durch die wir hereingekommen waren.

(Durcheinander im Maschinenraum.)

(Reste des Motors)

(So sieht der Fahrstuhl unten aus...)
Runter ging es in die Galerie, rüber zum Block 3 und nachdem wir
dort sportlich wieder hochgeklettert waren, haben wir uns den
Turm angesehen (Doppel MG Turm, versenkbar) – haben aber wegen
des schlechten Zustands des Boden den nicht erklettert sondern
nur ein paar Bilder gemacht und nach Inansichtnahme des Rests
(große Mengen fette Spinnen!) des Blocks den Weg wieder nach
unten gesucht.
Auf dem Weg nach unten zum Boden des Blocks machte ich noch
Bilder von den schönen Versinterungen auf der Treppe – leider
ist der Boden unten so feucht, das man hier ohne Stiefel schnell
nasse Füße bekommt. Zum Glück hatten wir unsere Stiefel an, so
blieben wir trocken. Da wir damit bereits die ganze Anlage
gesehen hatten, machten wir uns auf den Rückweg zum
Eingangsblock 1, kletterten dort die Treppe nach oben und
nacheinander aus der Scharte heraus. Tief sogen wir die
sommerlich warme Luft draußen ein und beschlossen, das es spät
genug wäre, zum Hotel zurückzukehren, sich etwas zu säubern,
Nahrung zu suchen und aufzunehmen und den Abend bei einem bis
drei Funktionsbieren der Sorte Hansa ausklingen zu lassen.

(Der offenen Schacht von oben - das
war leider nicht ungefährlich)

(So schicke Inishcriften findet man
selten)

(Die Versinterungen auf dem Weg nach
unten vom Kampfblock. Toll!)
Und das passierte dann auch – während Sergej und Alex nochmal
einkauften, packte der Rest sich schnell unter die Dusche, ich
rief zuhause an um zu schauen, ob es der Familie auch soweit gut
ging und dann ging es nach nebenan zum Schnell BBQ Grill. Dort
gab es ein wirklich gutes, wenn auch etwas teures belgisches
Bier in kalt und angebranntes Fleisch in warm (was zu durch war,
aber es war sonst ok) und nachdem wir entsprechend entspannt auf
dem Parkplatz angelangt waren, vervollständigte sich die Gruppe
wieder, das kalte Dosenbier wurde einmal durchgereicht und
reihum entleert.
Der Abend wurde noch lang und wir haben uns blendend über die
aktuelle, vergangene und mögliche zukünftige Touren unterhalten.
Und irgendwann war es auch Zeit, ein wenig an der Matratze zu
horchen…
Tag 3 - Feste Marival und Fort
Henseler
Irgendwie war die zweite Nacht gefühlt extrem
kurz, aber das Aufstehen am letzten Tourtag ließ sich leider
nicht vermeiden. Bei mir war das noch ok, ich kenne da meine
Grenzen und halte mich eisern an die Dreierregel was das kalte
Hansa betrifft – aber das trifft halt nicht auf jeden Mitfahrer
zu. Da der eine oder andere doch ein wenig nachgelegt hatte,
wurde der Morgen nicht für jeden angenehm. Nun,
Kindergeburtstag, Ponyhof – Bunkertour. Alles ein Niveau,
entsprechend anstrengend und als Erwachsener sollte man schon
wissen, was man da macht.
Apropos machen – wir machten uns daran. Die Zimmer zu entleeren
und das Gepäck wieder Tetrismäßig ins Auto zu stapeln. Immerhin
war das nun etwas leichter da Snacks und Getränke größtenteils
leerer waren. Kurz noch die sanitären Anlagen ausgelastet und
dann machten wir uns nach dem Auschecken auf den Weg. Wir hatten
zum Glück wieder Frühstück beim Bäcker geholt, unser zweites
Fahrzeug startete ein wenig später, die Jungs holten uns aber
dann bald ein. Nach gar nicht so langer Fahrt kamen wir dann am
geplanten Parkplatz an,. Etwas außerhalb von Metz und an einer
etwas kuriosen Ansammlung von Autos, die mich leicht an die
Ausstattung von Borat oder Ali G erinnerte.
Größere Kartenansicht
Wer konnte, warf sich nun ein Frühstück ein, wer
noch nicht so recht wollte, schnappte sich ein Wasser und legte
sich zehn Minuten aufs Ohr. Danach allerdings ging es einen sehr
sehr steilen Waldweg hoch. Bei Google Maps schaute das ganze
völlig harmlos aus, in Echt allerdings waren wir schon recht
bald sehr platt. Es ging wirklich heftig steil nach oben und der
Weg der querfeldein nur wenige 100m lang wäre, war so mit
Serpentinen etc. locker 2km lang. Oder mehr. Jedenfalls
benötigten wir einige Pausen bei der Bergwanderung und
beschlossen unter anderem, das wir als zweites Ziel des Tages
wohl eher nicht die Feste Bois de la Dame ansteuern würden –
diese war nämlich NOCH weiter oben auf dem Berg und uns ging
jetzt schon die Puste aus.
Der Weg nahm uns steilerweise auf grob halbe Höhe des Berges und
war wirklich malerisch. Mit mehr Kondition und bei höherer
Fahrtüchtigkeit hätten wir sicherlich den ruhigen Sonntagmorgen
im Wald mehr genossen, aber so war es noch erträglich.

(Die Scharten im ersten gefundenen
Bunker)

(Die Beobachtungskuppel oben auf dem
kleinen Werk)
Weniger erträglich war die Orientierung – eine
ganze Wiele dachten wir, dass wir auf dem falschen Weg waren, es
stellte sich aber schlicht heraus, das der Anmarsch erheblich
länger war als gedacht. Letztlich erkannten wir aber links und
rechts vom Weg das erste Beton und stellten fest, dass wir uns
bereits mitten in der Anlage befinden mussten – die aber nie
fertig wurde, weswegen an vielen Stellen das eher an eine
Baugrube oder Steinbruch erinnerte, als an eine Bunkeranlage.
Nachdem wir aber nach über einer halben Stunden um eine Ecke
bogen, bot sich uns ein interessanter Anblick: Eine große
betonierte Fläche unter einem steilen Felsenkliff. An der Seite
ein Tunnel – hier waren wir endlich richtig!

(Die "Baugrube" in der sich unter der
betonplatte für die geplante Kaserne die Tanks befinden.)

(Da war schwer reinzukommen...)

(Hier wächst der Baum durch die
Betondecke wo es eingestürzt ist.)
Zum Hintergrund:
„Zwischen der Feste Kaiserin und der Feste Kronprinz liegen auf
einem Plateau sieben Infanteriestützpunkte mit unterschiedlicher
Größe. Sie haben den Spitznamen „Die sieben Zwerge“ erhalten.
Sie sind in fast strikter Nord-Süd-Ausrichtung angelegt und
besitzen untereinander nur einen wenige hundert Meter
betragenden Abstand. Baubeginn für diese Werke war das Jahr
1912, als die Stützpunkte Vaux-Süd und Vaux-Nord errichtet
wurden. Beide waren 1913 erstellt. Kurze Zeit später begann man
mit dem Infanteriestützpunkt Marival, der aber nicht vollendet
wurde und dessen Bau 1916 abgebrochen wurde. Das zentrale Werk
Bois la Dame ist der größte Stützpunkt unter ihnen. Sein
Baubeginn war 1913, jedoch wurde auch hier die Arbeiten 1916
eingestellt. Die nördlichen Stützpunkte Jussy-Süd, Jussy-Nord
und St. Hubert sind 1914 erstellt worden.“
Wo das Zitat herkommt, kann ich nicht genau mehr sagen, aber das
trifft es. Wie sehr das Ganze noch im Bau war, war uns vorher
nicht klar. Die Feste Marival jedenfalls ist ein eher seltener
besuchtes Werk wie uns schien. Obwohl es Luftlinie nah an
Wohnbebauung liegt, war hier dann doch weniger Verwüstung als
man meinen könnte. Zumindest wenn man es mit Werken wie etwa im
belgischen Lüttich vergleicht.

(Glitzernde Wurzeln und Stalagtiten)

(Riesige Hallen unter der Erde)

(Im Vergleich wie gigantisch die Tanks
sind)

(Die Steilkante von oben - auf dem Weg
zum anderen Bunker.)
Wo das Zitat herkommt, kann ich nicht genau mehr
sagen, aber das trifft es. Wie sehr das Ganze noch im Bau war,
war uns vorher nicht klar. Die Feste Marival jedenfalls ist ein
eher seltener besuchtes Werk wie uns schien. Obwohl es Luftlinie
nah an Wohnbebauung liegt, war hier dann doch weniger Verwüstung
als man meinen könnte. Zumindest wenn man es mit Werken wie etwa
im belgischen Lüttich vergleicht.
Wenn wir die uns vorliegende Karte der Feste betrachteten fiel
sofort auf, das hier sich die Realität anders darstellt, als
gedacht. Laut Plan hätten wir vor einer Kaserne stehen sollen,
mit diversen kleineren Werksteilen die per Tunneln verbunden
sein sollten. Nun – immerhin fanden wir einen Eingangstunnel.
Also die Wand erklommen und ab in den relativ steil abfallenden
Tunnel. Der endete nach nur recht kurzer Zeit in einer großen
Öffnung – eine Art künstlicher Innenhof, Rings um uns waren hohe
Steilwände, eine war etwas niedriger. Es schien so zu sein, dass
hier Feldgeschütze hätten aufgebaut werden können mit westlicher
Zielrichtung. Aber sonst war hier praktisch nichts zu finden,
außer ein Pfad vom Innenhof aus auf das Plateau über uns. Da
dies nun gar nicht dem Plan entsprach, folgten wir dem Pfad nach
oben, schauten uns um – und entschlossen uns dazu das eine
Gruppe nach oben ging und suchte und die andere wieder nach
unten.
.

(Betonierte und steinerne Gräben!)

(Wie ein kleines Amphitheater - der
Bunker von aussen)

(Innen Treppe abwärts zum kleinen
Hohlgangsystem.)
Beide Gruppen wurden dann bald fündig – neben
dem Tunnel den wir gerade gefunden hatten gab es noch einen
zweiten Gang, der nach rechts führte. Und dieser führte dann zu
einem Bunker, den auch die Gruppe oberirdisch bald entdeckte.
Also trafen wir uns schnell im Eingangsbereich der Anlage (die
außen mit viel modernem Stacheldraht versehen wurde). Der Bunker
war nicht allzu groß und wurde offenbar für einen Rave
verwendet, wir entdeckten doch so einige Spuren die darauf
hindeuteten. Sehenswert war die große Scharte, hier waren
ursprünglich mal zwei 7,7cm Kanonen eingebaut auf einer großen
Lafette, die über das ganze Tal hinweg schießen konnten. Davon
war nichts mehr zu sehen, aber die Scharte an sich eben noch da
und links die Lafette. Neben dem großen Raum, in dem eine Wand
fehlte (es sah aus wie nach einer Sprengung und nicht durch
Gefechtsschäden) gab es noch eine kleine erkletterbare Kuppel.
Wenn man hier hochkletterte, landete man in einem kleinen
Beobachtungsstand. Da hier sonst nichts zu sehen war, sind wir
aus der Anlage raus, den kleinen Hang hoch und standen dann auf
dem Dach des Bunkers. Großartige Aussicht und unter uns sah man
deutlich das eingeschränkte Richtfeld der Geschütze aus dem
Bunker. Und neben uns eben die keine Stahlkuppel des
Beobachters.
Von hier aus sind wir dann zurück zur großen
Freifläche gegangen, wir standen nun oben an der künstlichen
Klippe und schauten herunter. Und da fiel uns auf, dass dies
eventuell keine Bodenplatte, sondern eine Decke sein könnte…?
Wir gingen also den Hang an der Seite herab du stand wieder am
Startpunkt der kleinen Anlage. Nach rechts hin gab es einen
leider verkeilten Tunnel, der zu einem weiteren Bunker führte.
Da passten aber bis auf einen keiner von uns durch. In der Mitte
der Anlage zur Steilklippe hin aber fanden wir ein Loch am Rand
der Platte, wo Unmengen Stacheldraht den Zugang erschwerten.
Dort hineingeleuchtet und zack – da war was! Also habe ich
meinen Rucksack Sergej gegeben und bin mutig durch das
Drahtgeflecht geklettert und das lohnte sich wirklich!
Unterirdisch war hier eine große Kaserne/Tanklager angelegt
worden. Leider in schlechtem Zustand aber eben doch sehr groß.
Auf Bildern kamen die riesigen Tanks, die wir fanden nicht
richtig rüber, aber die waren locker 20m lang und 4m hoch.
Wahnsinn! Ohne jemand anderem auf dem Bild sah das aus als ob da
nur ein Fass rumliegen würde… Was uns nicht klar ist: Sind diese
Tanks original gewesen oder eine Erweiterung aus dem zweiten
Weltkrieg? Ende 1944 waren die „Sieben Zwerge“ von
Volksgrenadier Einheiten besetzt, die die „Festung Metz“
verteidigen sollten. Zumindest bei den kleinen Anlagen klappte
das nicht, diese wurden am 14. November 1944 von der US Armee
förmlich überrannt. Bei dem Ausbauzustand auch wenig
verwunderlich…

(Innen die erhaltenen hölzernen MG
Lafetten.)

(Einer der Entlüftungsschieber
funktionierte noch.)
Nachdem wir das alle bestaunt hatten und alle
Räume erkundet hatten (an einer Stelle wächst ein Baum aus der
eingestürzten Decke nach oben, sehenswert!) sind wir den Weg
zurück nach oben auf die Klippe gegangen. Von dort aus suchten
wir dann den Bunker, der mit dem Tunnel verbunden war, den wir
aber so nicht erreichen konnten, weil das Loch zu eng war.
Nach einigen Minuten fanden wir den auch im dichten Gestrüpp.
Die Sonne schien malerisch auf die kleine Anlage und wir sind
direkt reingeklettert. Es handelt sich hierbei um eine
zweietagige Grabenstreiche mit MGs, ähnlich solchen wie wir sie
als Rohbau am ersten Tag gefunden hatten. Diese war weiter
ausgebaut und wir erkundeten zuerst die obere Etage. Die
Scharten waren hier gut erhalten, sonst war die Anlage recht
leer. Aber eben auch fast frei von Graffiti und Co, nur
vereinzelte Reste von Übungsgranaten waren zu finden! Über die
steile und unfassbar rostige alte Leiter ging es dann nach
unten, einer nach dem anderen fand den Weg und wir schauten uns
auch hier um. Leider gab es hier dann doch Graffiti aber eben
auch erhaltene MG-Lafetten und sogar eine funktionsfähige
verschiebbare Panzerplatte/Lüftungsklappe, die sich noch bewegen
ließ. Nach über 100 Jahren – schön sowas zu entdecken!
Aus den Scharten hatte man ein perfektes
Schussbild in die nicht fertig gestellten Gräben – wir gingen
dann noch in den Tunnel hinein der wieder zur Hauptanlage führen
sollte und fanden dann am Ende wirklich die Tür, wo wir nicht
durch passten. Ein paar Fotos später sind wir dann aus der
Anlage wieder raus und zurück zum Hauptplatz gegangen. Denn mehr
war hier leider nicht erhalten.

(Hohlgangsystem.)

(Innen die viel zu enge Tür zur
Kaserne.)
Man merkt deutlich das die „Sieben Zwerge“ eben noch im Rohbau
waren. Insgesamt hätten hier drei bis vier Grabenstreichen
gebaut werden sollen, die Doppel 7,7cm Kanonenkasematte
(gebaut), die große Kaserne (zumindest Keller ist vorhanden) und
offenbar noch eine Kasematte für Geschütze, die nur als
Feldstellung gebaut wurde. Vorhanden sind so also nur eine
Grabenstreiche, eine Geschützkasematte, die Tunnel und eben das
Untergeschoß der Kaserne… Das war dann vielleicht doch nicht
ganz den Trip den Berg hoch wert, aber das weiß man meistens
halt erst hinterher.

(Innen wieder die Treppe aufwärts .)
Jedenfalls war keine Motivation vorhanden nun noch weiter den
Berg hochzuwandern und ca. 45 Minuten zu „Bois de la Dame“ zu
laufen. Also machten wir uns auf dem Weg zum Auto und wollten
stattdessen lieber das Fort Henseler uns ansehen. Bergab ist ja
immer etwas leichter dachten wir uns und so sind wir nicht den
ganzen langen Weg zurück und den offiziellen Weg lang, sondern
an einer Stelle an einem Steilhang vorsichtig aber hochriskant
den Abhang runtergeschliddert. Das war nicht ganz ohne, hier
hätte man sich böse Knöchel oder ähnliches umknicken können.
Klappte aber und so waren wir nach einer Viertelstunde zurück an
den Autos, rehydrierten uns und machten uns auf den Weg zum
letzten Ziel für diese Tour.
Feste Graf Häseler (Werk Saint-Blaise)
Nach einer übersichtlichen Fahrt kamen wir in der Nähe unseres
Ziels an – zwar standen wir direkt vor einem großen handgemalten
Schild das auf Französisch irgendwas offenbar untersagen wollte,
aber… auch bei Google Maps sieht man Leute genau vor dem Bild
parken. Witzig. Es wurde jedenfalls Zeit für ein kleines
Mittagessen, also schnell Snacks wie Minisalamis und Co
rausgeholt und eine gewisse Grundlage geschaffen für den Rest
des Tages. Wir haben uns dann etwas leichtertes Equipment
eingepackt aber auch Lampen, da wir die Tunnels unter dem Fort
erkunden wollten.
Größere Kartenansicht
Zum Hintergrund: „Die Feste Graf Haeseler (Groupe Fortifié
Verdun) wurde zwischen 1899 und 1905 erbaut. Das Werk
Saint-Blaise war mit vier 10 cm- Granatwerfern und vier 15
cm-Granatwerfern ausgerüstet. Das Werk Sommy hingegen erhielt
zwei 10 cm-Granatwerfer. Diese Waffen waren alle in drehbaren
Panzertürmen untergebracht.
Das Werk Saint-Blaise wurde zudem mit einem drehbaren,
gepanzerten Beobachter, mit vier festen Artilleriebeobachtern
und acht Infanteriebeobachtern aussatattet. Außerdem besaß das
Werk zwölf Beobachtungsposten. Im Inneren des Werkes gab es
Telefon und Zentralheizung. Das Trinkwasser wurde von der
Pumpstation in Ars-sur-Moselle über Kanäle zum Werk geleitet, wo
es in drei Zisternen gesammelt wurde. Die Kaserne war für 500
Soldaten ausgelegt.“ So laut darkplaces.org eine kurze
Beschreibung – da wir ja schon einige Werke in der Ecke erkundet
hatten, wurden wir hier Zeuge, wie sich binnen weniger Jahre der
Baustil radikal anfing zu entwickeln. Bei dem größeren Teil von
Häseler sind die Vorwerke noch sehr klassisch aufgebaut,
teilweise mit riesigen Gräben die gemauert (!) sind statt rein
in Beton erstellt worden zu sein.
„Das Werk Sommy wurde mit zwei festen Artilleriebeobachtern,
vier Infanteriebeobachtern und acht Beobachtungsposten versehen.
Auch hier gab es Telefon und Zentralheizung. Das Trinkwasser kam
vom Werk Saint-Blaise und wurde in Zisternen gesammelt.
Die Gesamtfläche der Feste Graf Haeseler (GF Verdun) beträgt 70
Ha.“

(Eingangsbefestigung der Feste. Man
beachte die großen Zäune.)

(Der Haupteingang.)

(Beeindruckender langer Weg in die
Festung.)

(Erste grosse Kasematte - der schöne
Personaleingang.)
70ha sind eine Menge und aufgrund der Zeit war
klar, dass wir vermutlich nicht die ganze Anlage mehr erkunden
könnten. Aber dennoch versuchten wir das. Der Weg war recht lang
und bestand aus einem schmalen Pfad der zwar als Feldweg begann
aber zum Schluss eher ein dünner Trampelpfad nur noch war. Links
neben uns war ein Hügel – das stellte sich heraus als Rückseite
des Grabens. Man hat hier die Landschaft hervorragend zum Schutz
der Anlage eingesetzt, das ganze hatte bisweilen etwas von einer
mittelalterlichen Burg (nicht zuletzt durch die Mauern und eine
runde Bauform des Eingangsbunkers, dazu gleich mehr).
Nach einer guten Viertelstunde Weg kamen wir
am Vorposten der Anlage an – eine kleines, fast mittelalterlich
anmutendes Eingangswerk das aus einer Etage mit vielen
Schießscharten bestand, mit einem beeindruckenden Stahlzaun und
langen in allen Richtungen abstehenden Stahlspitzen dazu. Über
ein paar Holzbalken konnten wir einfach den kleinen Graben vor
der Anlage überwinden und haben uns das Innere angesehen. Sehr
viel war hier nicht zu entdecken, die Scharten von innen gaben
aber ein perfektes Schussfeld ab auf den einzigen Zugang zu der
Feste.

(Riesige Löcher in der Anlage - man
erkennt das hier noch kein Stahlbeton genutzt wurde.)

(Starke Zerstörungen im Bunker)

(Auf dem Weg durch die teils zerstörte
Anlage.)
Da hier sonst nicht viel zu sehen war, machten
wir uns auf den Weg ins Innere der Anlage, der durch ein altes
Tor im Stacheldraht und Zaun führte. Links und rechts neben dem
weiter ansteigenden Weg waren hohe Mauern, so das schnell klar
war, dass der einzige Weg ins Innere der Anlage richtig gut zu
verteidigen war. Leider versperrten immer wieder umgestürzte
Bäume den enger werdenden Pfad, hier kommen also weniger
Besucher hin als zu anderen Anlagen. Aber auch der Weg fand
schließlich ein Ende und nach einer knappen halben Stunde
standen wir vor dem zugewucherten Artilleriewerk. Durch das hohe
Unkraut machten wir uns auf den Weg zum Eingang, fanden aber
auch einen kleinen Zugang links zum Tunnelsystem. Jedenfalls
gingen wir in die große Anlage hinein und waren erstmal baff,
wie sehr diese zerstört war. Eine steile, rutschige Treppe ging
nach unten in einen Tunnel, aber wir sind zuerst ebenerdig zu
den Panzerkuppeln gegangen. Hier war ungefähr so viel erhalten
wie in Fort Koenigsmacker – Teile der Hülsenrutschen aber die
Zerstörung des Werks war ungleich höher. Man merkte, das hier
heftige Kämpfe passierten. Die dicken Mauern waren teilweise
aufgeborsten, man möchte sich nicht vorstellen, was hier im
Inneren der so massiv wirkenden Bauten passiert sein muss.

(Treppe hoch zum Geschützturm .)

(Aufschriften an den Wänden noch
erhalten.)

(Auf dem Weg nach unten in die
Hohlgänge.)
Richtig beeindruckend waren hier die Reste der
Geschützlafetten in den Panzertürmen. An denen vorbei ging es
dann durch manche zerstörten Teile der Anlage nach Osten im
Inneren. Dort am Ende fanden sich zwei Treppen, die nach unten
führten. Wir folgten der ersten und erwarteten in ein großes
Tunnelsystem zu kommen, das die Anlage quasi „umrunden“ würde.
Doch nach einiger Zeit fanden wir zwar Gänge die in eine kleine
Kuppel als Beobachter führten aber eben keine die Anlage
umrundende Struktur. Offenbar ist der Plan falsch den ich hatte
bzw. zeigte eine geplante Ausbaustufe und erst nach der Tour
habe ich auf dem richtigen Plan erkannt, dass das kein Tunnel
außen ist, sondern man hier den Graben um die Anlage
eingezeichnet hat. Na dann…

(Am anderen Ende - Sicht nach oben in
die Beobachterstellung.)

(Auf dem Weg durch die Hohlgänge. Was
da wohl mal am Haken hing...?)

(Tausnede alte Teelichter. Nur - warum
alle hier?.)
So gingen wir also nach der Sackgasse den
ganzen Weg wieder zurück bis zum Eingang der Anlage, was recht
lange dauerte. Dort bin ich dann die Treppe runter und den
Matschhaufen runtergeschliddert, aber hier hätte man im Nassen
durchkriechen müssen und das wollte keiner spontan. Also wieder
raus und rein in den kleinen zweiten Eingang. Der führte
ebenfalls nach unten und dann weiter in ein kleines Gangsystem,
am Ende kam man in einer Grabenstreiche heraus die schon noch
spektakulär zu sehen war, aber leider wieder eine Einbahnstraße
darstellte. Also flugs wieder den Weg zurück und bevor wir ein
Abschiedsfoto machten, entschloss sich Alex noch zu einer
kleinen Exkursion zum nächsten Gebäude, der Kaserne wie sich
herausstellte.

(Alte Maskenfilter)

(Schimmlige alte Tür)

(Wie am ersten tag: Lagerregale, hier
mit erhaltener Aufschrift an der Seite!)
Die war über einen Trampelpfad gut erreichbar und so machten wir
eine kleine Extratour und liefen auch hier im Schnellgang zehn
Minuten durch. Leider eine gefährliche Sache, im Treppenhaus
fehlt so einiges und auch die Front des Gebäudes wies
beachtliche Löcher auf, durch die man leicht abstürzen kann.

(Auf dem Weg zur Kaserne.)

(Untere Etage der Kaserne)

(Aufgepasst! hier geht es mal eben 8m
senkrecht runter weil die Treppe fehlt!)
Das ausgerechnet hier tausende Airsoft BBs am
Boden lagen: Drehen die steil? Das ist viel zu gefährlich hier
mit sowas zu spielen, aber Airsoftler kennen da wohl nix. Hat
man schon in der U-Verlagerung Kalk gesehen… Wir machten
jedenfalls einige Bilder und mussten dann wirklich den Rückweg
antreten. Der dauerte wieder recht lange, man ist durch das
Unterholz schon etwas unterwegs, trotz Trampelpfad. Zudem ging
es nun den ganzen Hügel ja wieder im Bogen zurück, das
unterschätzt man wirklich.

(Eingestürztes Ende der Kaserne)

(Aufschriften im Obergeschoss.)

(Aussicht aus luftiger Höhe aus der
Anlage heraus.)
An den Autos angekommen wurde es Zeit sich zu verabschieden –
wir nahmen uns alle noch einmal in den Arm, schnappten uns ein
paar Getränke für die Fahrt und dann ging es los Richtung
Heimat.
Die Rückfahrt war bis auf die Enge und Müdigkeit im Auto kein
Problem, wir machten gut Meter und fuhren die gleiche Strecke
quasi zurück wie wir gekommen waren. Nachdem wir dann Marc in
Hagen abgesetzt hatten und die beiden anderen in Unna, kam ich
ziemlich genau zehn Minuten vor Plan in Beckum an – wunderbar.
Ein gelungenes Ende der Tour! Schnell die Familie begrüßt,
geduscht, Auto ausgeräumt und dann für die Arbeit am nächsten
Tag beladen und zack ging ein langes Wochenende mit Bunkertour
bei einem Kaltgetränk angenehm zu Ende.
Finanziell lagen wir aufgrund der geringen Spritkosten bei
durchaus guten 163,80 – das teurere Essen beim BBQ-Laden trug
dazu bei und leider auch die gestiegenen Übernachtungskosten.
Aber insgesamt noch ganz gut für drei Tage Tour 😊