Aufzählung Bunkertour 2023 - Kleines Ge"Metz"el
Aufzählung Metz, Frankreich und Umgebung
 
 Richtung Frankreich - mal wieder...

 

Nach einem Jahr Auszeit (aus gutem Grund: Ich hatte mir einen großen Hobbytraum erfüllt und bin zum größten nichtkommerziellen Nerf-Event der Welt geflogen, „Endwar“ und der dazugehörigen Ausstellung „FoamCON“ nebst dem Profiturnier DZ Pro Tour im Sommer 2022 in Rochester, NY USA – da war dann eine weitere Tour nicht wirklich drin von der Zeit her) stand doch mal wieder ein langes Wochenende mit Beton, Schmutz und Co an. Die Tourplanung stand ursprünglich schon grob seit Anfang 2022 fest – musste dann aber 2023 leider mehrfach geändert werden.


War zunächst der Plan in der Kasematte Edling Süd zu übernachten und dort zu grillen und dann an Tag 2 und 3 Anlagen in der Umgebung von Metz zu erkunden, so waren wir durch die Schließung des Museums dazu gezwungen, uns Alternativen anzusehen. Das klappte dann auch ganz gut, aber der grosse Knaller mit Übernachtung im Subsubsub-Souterrain entfiel leider. So wurde es eine gelungene Standardtour, was in Zeiten von zunehmender Kameraüberwachung spannender Objekte auch schon viel wert ist.
Einiges an dieser Tour basierte auf dem Besuch eines netten Menschen aus Süddeutschland, der sich diverse Anlagen zwei Jahre zuvor angesehen hatte und daher mit Bildern und Beschreibungen half. Das war recht nützlich, allerdings war die Realität bei vielen Anlagen leider dann doch anders als auf den Plänen. Doch dazu später mehr. Die grobe Planung stand dann vier Wochen vor der Tour final fest nachdem eine weitere Feste eine Sondertour nicht machen wollte, es wurde noch etwas ausgearbeitet und dann ging es auch los mit Hotelbuchen, Führung organisieren etc.



Der große Elefant im Raum war dann am Tag vor der Tour das Wetter. Obwohl die Tour aus gesundheitlichen Gründen in meiner Familie auf später verschoben wurde und erst im September los ging, war das Wetter hochsommerlich. Und zwar so hochsommerlich, dass wir kurzentschlossen dann doch uns auf meinen Fiesta (mit Klima!) festlegten als Gefährt. Für vier Personen. Nach Frankreich. Bei 35c Temperatur. Mit allem Equipment. Das würde ein Packspaß für die ganze Gruppe!


 

Tag 1 – Anfahrt, Steinbruchstellung Metz

 Freitag morgens ging es dann mit dem von mir traditionell am Abend vorher beladenen Auto los. Noch flugs die Kids zur Schule fertig gemacht und gebracht und dann los auf die Autobahn nach Unna. Dort folgten die Grundlevel Tetris mit Robert und Tobias, das Auto sah schon recht voll aus. Mit der „geplanten Verspätung“ kamen wir dann nicht wirklich rechtzeitig in Hagen an und standen vor der Herausforderung, auch noch Marc mit ins Auto zu bekommen. Das Gepäck füllte jede noch offene Ritze aus und ehrlich gesagt sah das Auto minimal überladen aus. Nun. Fuhren wir dann mal mit entspannten 130 statt 150 Richtung Frankreich los. Die Route sollte uns über Luxemburg führen und ein erheblicher Teil war in der Tat Bundesstraßen.


Relativ ereignisarm (auch wenn ich innerlich etwas nervös war über das durch das hohe Gewicht leicht tiefergelegte Auto) kamen wir bis nach Luxemburg, dort suchten und fanden wir eine Tankstelle, die nicht an der Autobahn war. Sprit rein (die Ersparnis war aber eher sparsam) und in der Tanke mit dickem Letzeburgisch angesprochen… nein, da konnte ich nicht mit dienen. Kurz geschmunzelt, bezahlt und weiter ging die Reise!
Kurze Zeit später fanden wir dann einen nicht schattigen, aber relativ brauchbaren Parkplatz am Wald um ein kleines Frühstück einzuwerfen. Wurde auch Zeit – der Magen grummelte und wir hatten schon fast drei Stunden im Auto gesessen.

 

Nach Kalorienaufnahme und Rehydration ging es dann weiter, dann auch wieder über die lokalen Autobahnen. Leider gab es kurz vor der Grenze einen dicken Stau – fast 45 Minuten bewegten wir uns im einstelligen km/h Bereich, der eine oder andere Mitfahrer holte sich hier im gekühlten Fahrzeug eine Mütze Schlaf (und ich machte den Rest vom Kaffee aus der Thermoskanne platt). Aber auch der Stau ging irgendwann vorbei und wir erreichten nur kurz nach Plan unser Ziel, den Parkplatz in der Nähe der Steinbruchstellung. Wobei… wir probierten erst einen anderen Parkplatz aus, denn den ursprünglich vorhandenen gab es nicht mehr. Aber wir haben zumindest bis das zweite Team dazu kam die Gegend leicht erkundet und uns dann im Schatten ein kleines Mittagessen gegönnt.

 


Nach einer übersichtlichen Wartezeit kamen dann Alex und Sergey dazu, wir begrüßten uns überschwänglich – seit drei Jahren hatten wir uns nicht gesehen! Kurz den Snack beendet, und dann sind wir relativ nahe an die Stellung herangefahren, wo man parken konnte, schnappten uns aufgrund des Wetters die eher leichte Ausrüstung und zogen los in den sommerlichen Wald.

 


Größere Kartenansicht 

Steinbruchstellung

Dank Kartenmaterial und einer Beschreibung die ich per email von einem anderen „Bunkertouristen“ zuvor bekommen hatte, sollte das eigentlich nicht zu schwer sein. Es stellte sich dann aber doch als Herausforderung heraus, denn die Karten stimmten mit der Wirklichkeit nicht immer überein und in dem unfassbar unübersichtlichen Gelände verirrte man sich des Öfteren heillos. So war uns bis eine Stunde später nicht klar, wo wir überhaupt wären auf dem Gelände…

Nach einigen Hundert Metern jedenfalls bekamen wir erstmal Stacheldraht und ähnliche Hindernisse zu Gesicht. Offenbar waren wir in der richtigen Richtung unterwegs. Und dann tauchte auch nach kurzer Überlegung „gehen wir links oder rechts lang?“ der erste kleine Bunker auf. Es handelte sich um eine verbunkerte Toilettenanlage und wie oft wir genau DIESEN Bunkertypen heute noch sehen würden, das ahnten wir da noch nicht. Flug Kamera gezückt und das kleine Betonteil begutachtet.


Danach wurde es komplexer – da wir nicht wussten WO auf der Karte wir waren, ging es erstmal den Weg entlang tiefer in die Anlage hinein.



(Ansicht des Stacheldrahtverhaus.) 


(Erhaltene Toilette in einem der vermutlich über hundert Toilettenbunker.) 


(Abwassergrube/Pumpensumpf unter dem Bunker.) 

Apropos Anlage:
Die Steinbruch-Stellung (frz. Point d'appui des Carrières d'Amanvillers, ausführlicher Wikipediaeintrag auf Französisch hier: ) unterscheidet sich von so ziemlich allen anderen Stellungen und Festungen, die wir bisher besucht haben.
Da sie in einem ehemaligen Steinbruch ganz in der Nähe des kleinen Örtchens Amanvillers angelegt wurde, war zu erwarten, dass man hier das Gelände mit in die Konstruktion einbeziehen würde.


Heute noch, über hundert Jahre nach Bauende, ist das Gelände mit Laufgräben, Schützengräben, kleinen Bunkern für Mannschaften und Drahthindernissen durchzogen. Darüber hinaus gibt es etliche Beobachtungsbunker. Und eine unfassbare Anzahl an verbunkerten Toiletten. DAS haben wir so noch nie gesehen!
Das Resultat der nie fertig gestellten Anlage ist so gesehen wie ein Kaninchenbau: Überall im Gelände verteilt befinden sich kleine und kleinste Bunker, die Soldaten und deren Ausrüstung geschützt unterbringen konnten. Das Gelände dazwischen ist aber komplett unübersichtlich, hügelig und zerklüftet.


Die Sicht ist nicht nur durch den mittlerweile nachgewachsenen Wald extrem begrenzt, auch die Wege, die in eine Art Hohlwegstruktur laufen, machen eine Orientierung fast unmöglich - wortwörtlich an jeder Ecke ist ein neuer Bunker zu finden.


(Alles klar? Hier sind drei Bunker versteckt...) 

Die Aufgabe der Steinbruch-Stellung, die sich ungefähr zwei Kilometer Luftlinie westlich von der Feste Lothringen befindet und zusammen mit der Wolfsberg- und Horimont-Stellung (die besuchten wir am Tag 2) wirken sollte, war es den Zugang zur Feste Lothringen abzusichern.


Deren Lage war nicht wirklich optimal und hätte bei einem direkten Angriff vergleichsweise leicht beschädigt oder eingenommen werden können.
en Stunde nach, wir machten eine Abmeldung zuhause und rein ging es in den Stollen.
 

 
(Im Grabensystem der Anlage)  


(Lagerbunker von innen, oben abgehangenes Regal damit Ratten nichts erreichen können.)  

Nachdem wir also das erste kleine Gebäude inspiziert hatten, setzten wir den Weg weiter fort. Der Weg war recht gut, wir trafen immer wieder mal Mountainbiker, die das Gelände befuhren. Von daher fühlten wir uns auch nicht ganz so unwohl, wenn die lokale Bevölkerung die Warnschilder am Eingang offenbar auch alle ignorieren.


Rechter Hand tauchte nach kurzer Zeit dann zum einen ein Autowrack in einem Graben auf, aber auch deutlich mehr Beton, wir fanden hier einen kleinen Gruppenunterstand der leider voller Mücken war. Viele Reste waren nicht zu entdecken, nach ein paar Bildern zogen wir weiter. Immer dem Pfad folgend trafen wir dann auf die nächsten Bunker. Auch hier machten wir entsprechend Bilder und schauten uns die kleinen Stellungen an. Schnell wurde klar, dass hier immer wieder die gleichen Bunker zu finden waren, mit nur geringer Abweichung:


- Toilettenbunker
- Kleine Mannschaftsunterstände
- Mehr Toilettenbunker
- Lagerbunker
- Noch mehr Toilettenbunker
- Beobachterpositionen
- Hatte ich die Toiletten…? Ja? OK dann...
 


(Die andere Seite des Lagerbunkers. Wirklich gut erhalten, wenn auch leer.)

 

(Innere einer Beobachterkuppel - erhaltener, ausfahrbarer Sitz. Unten klappbare Fußrasten.)  

(Da kann man mal eben Pause machen - unterirdischer Mannschaftsraum) 


(Auch interessant - Beobachterposition von oben.)


(...und von unten - auch hier mal eben 120 Jahre altes Holz noch in situ)

Die gossen Ausnahmen waren dann später die Grabenstreichen und die offenen Feldbettungen für Infanteriegeschütze. Letztere waren immer in Begleitung von ein oder zwei sehr kleinen Infanterieunterständen, die aber wohl nur als Splitterschutz gedient haben können durch die geringe Wandstärke und mangelnde Überdeckung.
Nach einer Stunde waren wir schließlich an einem Punkt angelangt, wo ich endlich eine Übereinstimmung zwischen Karte und Bunkern feststellte. So war dann auch klar, das wir ungefähr die Hälfte der im Inneren Bereich der Anlage befindlichen Bunker gefunden hatten.

 


(...anderer Lagerbunker mit Halterungen. Oder Schlafraum?)

 


(Gewehrhalter an der Wellblechdecke)

 


(...und hier ging es abwärts - lieder alles volllgelaufen.)

 

Als nächstes stand der Weg zu den Grabenstreichen an, diese wollten recht groß und interessant sein – auch wenn sie nie fertig gebaut wurden. Nachdem wir uns etwas querfeldein durch das Gelände gequält hatten (was aber auf den Bildern eher mäßig beeindruckend immer wirkt) kamen wir dann zur ersten Streiche, fast direkt neben der Schnellstraße. Der Bereich hier war erheblich tiefer als der Rest des Geländes, ein Einfaches von A nach B laufen, wie es auf der Karte aussah: Pustekuchen! Es ging also die Streichen entlang und irgendwann entdeckten wir den ersten Bunker. Spannend – auch wenn die Bauweise uns recht bekannt vorkam. Von den Bunkern aus gingen Tunnel in das Geländeinnere, aber diese waren soweit wir das beurteilen konnten, nicht komplett gebaut worden.

 


(Durch die Gräben hin zur Streiche.)

 


(Das völlig zerklüftete, unübersichtliche Gelände.)

 


(Sprengversuch oder Kampfspuren? aufgesprengte Tür an einem der Bunker. Neben der Tür diverse Splittereinschläge.)


 


(Ansicht des Grabens, es dauerte ewig durch den Verhau zu kommen.)


 

Eine Ausnahme gab es – wir fanden eine Grabenstreiche nach kurzer Zeit, die wir nicht von außen betreten konnten (zugegeben: Über einen engen, schlammigen Notausgang hätte man da was machen können), gingen von dort zur im Inneren liegenden Parallelanlage und in der gab es dann nach einer steilen engen Treppe nach unten in der Tat einen halb verstürzten Gang, der zur anderen Anlage führte. Beide haben wir uns angesehen, allerdings war von den Inneren nicht sehr viel erhalten. Dennoch spannend zu sehen! Da wir der wackligen Leiter im Notausgang nicht trauten, mussten wir dann den ganzen Weg unter der Erde wieder zurück. Klappte aber.

 


(Ansicht der Grabenstreiche mit Bewehrung oben.)

 

 


(Im Inneren der Streiche - leer aber top erhalten.)

 

 


(Auf der Treppe hoch zur zweiten Etage)

 

 


(Blind endender Hohlgang)

 

Von dort aus sind wir dann „querfeldein“ an Infanteriehindernissen zurück zum Mittelpunkt der Anlage gelaufen, wollten von da aus dann zum uns unbekannten Teil auf der anderen Seite kommen. Leider war dort ein Steilhang, der ein Weiterkommen recht schwer machte.

 


(Abgang zum Hohlgangsystem - was ja leider nur Stummel sind.)


(Leiter zum Notausgang - man beachte den üblen Zustand des Tunnels...)

Aber auch den haben wir dann an passender Stelle erklommen und fanden uns wieder an dem Punkt, wo wir zuvor schon die Karte und Bunker endlich abgleichen konnten. Flugs marschierten wir los – nur um dann festzustellen, das inzwischen eine Menge Zeit vergangen war und die Karte hier dann doch eher nur eine grobe Orientierung bot.

 

Einige der eingezeichnete Wege waren schlichtweg nicht mehr da, so fanden wir eine Kette an Bunkern leider nicht mehr. Wir lenkten dann unsere Schritte in Richtung der Autos, der Weg war eh noch weit genug. Dort dann angekommen haben wir schnell uns rehydriert und dann nach kurzer Absprache den Weg zum Hotel eingeschlagen.


(Langzeitaufnahme im Hohlgang )


(Panzerscharte in der mittleren Streiche.)

Das dauerte eine knappe halbe Stunde und kurz vor Ankunft stellten wir fest, das wir ein wenig den Versorgungsplan umwerfen müssten: Der lokale McDonalds, perfekt in fussläufiger Entfernung zu den Hotels in dem Industriegebiet, war abgebrannt und mit Bauzäunen abgesperrt! Da war also keine Nahrung zu bekommen. Nun, ab zum Hotel, ich hab dann mal für alle eingecheckt und die Zimmerkarten besorgt.

 

Nachdem das erledigt war, war erstmal eine gute Dusche angesagt, kurze Rückmeldung zuhause das alles OK sei und dann schaute ich mal nach alternativen Mäkkes Futterstellen. Danke moderner Technik und lokalem Datenbudget war das per Smartphone schnell erledigt und wir fuhren in einem kleinen Konvoi los. Alex und Sergey wollten dann noch „eben schnell“ einkaufen, also verspachtelten wir die traditionellen Cheeseburger (unverschämt teuer mittlerweile!) in Rekordzeit.

 

Kaum am Parkplatz wieder angekommen wurde es auch höchste Zeit, das traditionelle eiskalte Hansa aus der Dose zu eröffnen. Die Kühlbox wanderte dann irgendwann ins Zimmer so das am kommenden Tag wieder kalte Getränke vorhanden wären.


(Stollen in üblem Zustand!)


(Und wieder ab nach oben....)


(Der traditionelle anti-intellektuelle Schutzwall abends auf dem Parkplatz. Kalt und gut!)

Die kommenden gut zwei Stunden verbrachten wir mehr oder minder bequem auf diversen Picknickdecken neben den Autos und bauten aus den zunehmend leerer werdenden Dosen einen kleinen anti-intellektuellen Schutzwall. Traditionen, so wichtig!

 

Viel, viel gab es untereinander zu erzählen und als zu später Stunde noch ein belgischer Gast mit Frau erheitert an uns vorbei kam, wurde die angebotene Dose guten (oder zumindest funktionellen) Hansas bestgelaunt mitgenommen. Wunderbar sowas.
Auch eine Tradition war es danach, erschöpft in die Hotelbetten zu fallen, da wir im einigermaßen komfortablen Yutzer Hotel wieder waren, klappte das auch und eine erholsame Nacht später war es dann Zeit für den:

 



 Tag 2 - Horimont Stellung, Gros Ouvrage Michelsberg, PO Denting


Der Morgen graute und das Wetter versprach gemäß der Wettervorhersage hochsommerlich warm zu werden, obwohl wir im September erst unterwegs waren. Entsprechend kontrollierten wir nochmal die Wasservorräte, luden einige Getränke ins Auto für den Tag und schauten in den Plan. Start war die fast direkt neben der Steinbruchstellung liegenden „Horimont-Stellung“.

Auch diese Stellung aus der Prä-WW1 Zeit war nie vollendet worden, auch hier würde es eher ein „aufstrebendes Werden“ im Bereich Bunkerbau zu sehen geben, als eine monolithische Festung klassischer Prägung, eine verzweigte tief verbunkerte Anlage a la Maginotlinie oder eben die Zwischenstufe, die alten Forts mit abgesetzten Bunkern. Nein, dies würde eher viele kleine Stellungen in einer riesigen Baugrube sein, in unterschiedlichem Grad der Vervollständigung.


Nach kurzem Boxenstop bei einer Bäckerei für ein paar nahrhafte Grundlagen ging die Fahrt los.


Größere Kartenansicht 

 

Zum Background der Anlage nur soviel:
„Die Horimont-Stellung befindet sich etwa 1,5 km entfernt von der Feste Lothringen (Groupe Fortifié Lorraine) und einige hundert Meter von der Steinbruch-Stellung (Ouvrages d'Amanvillers) entfernt. Die einzelnen Werke sind über eine Länge von ca. 3 km verteilt und befinden sich zwischen der Straße von Amanvillers nach Fèves und dem Bitteron-Bach (unweit der Autobahn Paris-Metz).


Die Horimont-Stellung befand sich im Bau von 1912 bis 1916. Die "Ouvrages Canrobert" (Horimont-Stellung) wurde(n) nach dem französischen Marschall François-Certain Canrobert benannt, welcher im Jahre 1870 verantwortlich für die Verteidigung von St. Privat (in der Nähe von Metz) war.


Die Infanteriewerke sind im Norden durch einen, in den Fels gehauenen, Graben geschützt, welcher aber z.T. nicht fertiggestellt wurde. Dieser Graben wurde von zehn Infanteriekasematten verteidigt. Zwischen der Straße Amanvillers-Fèves und dem Graben befinden sich etliche Unterstände und Beobachter. Die gesamte Stellung ist in drei Gruppen gegliedert: Horimont (Canrobert) 1, 2 et 3. Auf dem gesamten Gelände befinden sich Schützengräben welche von einem Unterstand zum anderen führen. Zentral in der Horimont 3-Stellung befindet sich ein großes Wasserreservoir.


Außerdem gab es vier gepanzerte (mobile) Bettungen für 5-cm-Kanonen in den Infanteriewerken Fèves und Horimont 3. Das Werk Horimont 1 war mit 10 Beobachtern ausgestattet. Horimont 2 hatte zwei Infanteriebeobachter auf den Kasematten F und G. Auf dem Gelände befanden sich ebenfalls unzählige Spähposten. Insgesamt wurden auf dem gesamten Horimont-Gelände 78 Unterstände eingerichtet. Die Wasserversorgung wurde durch Wasserzisternen garantiert.“
 

 
(Erste Lagerbunkerkette gefunden, keine 20m neben der Schnellstrasse) 


(Super unübersichtliches Gelände, auch mit Lageplan war es schwer sich zu orientieren!)

Leider habe ich aktuell nicht die Quelle für den Text, er stammt aus einer eMail die ich vor mittlerweile drei Jahren bekommen habe von jemanden, der damals die Anlage besucht hat und mir freundlicherweise die Infos zur Verfügung gestellt hat (was die Planung erheblich vereinfacht hat!).


Soweit also zu dem, was wir die kommenden Stunden versucht haben, uns anzusehen. Nachdem wir nach übersichtlicher Fahrt wieder an dem Parkplatz vom Vortag angekommen waren (also – dem ersten von beiden) – machten wir uns nach Einnahme von etwas Frühstück mit ein paar Getränken und eher leichtem Gepäck auf den Weg in den Wald.

Schon von der Straße aus konnte man erahnen „hier ist was“ – denn sofort fielen einem die Schützengräben auf, die die Landschaft durchzogen. Schon bald fanden wir direkt neben dem Trampelpfad den ersten, relativ tief im Boden liegenden Bunker, der mit den nächsten beiden Bunkern durch ein Grabensystem verbunden war. Alle Bunker, die wir hier fanden, sahen im Prinzip gleich aus: Eingang mit Zickzackschikane und danach ein Lagerraum mit Bänken bzw. Regalen an den Seiten und einer erhöhten zentralen Lagerplatte in der Mitte des Raums die an Ketten hing (vermutlich zum Schutz vor Ratten). Noch war uns das nicht klar, aber nachdem wir den Xten Bunker der Bauart dann gesehen hatten, wurde es wie am Vortag doch etwas repetitiv…

 


(Die überaus tiefe (20m?) Grabenstreiche in die wir runter wollten. Das sieht auf dem Bild nciht wild aus aber man beachte, wie gross und lang die Bäume darin sind!)

 


(Nicht risikoloser Abstieg in den Graben)

 


(Unten angekommen, vor uns liegt Beton - die erste doppelstöckige Grabenstreiche!)

 


Aber auch hier sollten die Grabenstreichen das Spannendste sein und ohne es vorwegzunehmen: Das war es auch. Wir begannen unsere Erkundung ziemlich genau in der Mitte der zweiten Horimontstellung (so dachten wir jedenfalls, in Wahrheit war es aber der östliche Rand der ersten Horimontstellung!) und wollten uns langsam nach Westen zur ersten Stellung vorarbeiten. Letztlich haben wir eigentlich „nur“ die erste Stellung komplett erkundet – die Karte war da leider etwas verwirrend.

 

Insgesamt sind diese Stellungen durch die Streichen außen „verbunden“. Nachdem wir einige der Lagerbunker erkundet hatten, stießen wir auf einen gepflegten Rad- und Wanderweg, der nur in wenig Entfernung zur Streiche entlangführt. Und diese war wirklich riesig. Auf den Bildern kommt es kaum rüber, aber diese war deutlich über 20m breit und tw. 10m tief. Es stellte sich also schon schwer dar, überhaupt die steilen Wände herunterzukommen. Nach einiger Wanderung fanden wir aber eine gute Stelle für den Abstieg und brachten den dann auch gut hinter uns.

 


(Da möchte man nicht dran festhängen oder drauftreten - alte Infanteriehindernisse noch original gestrichen!)

 

 


(Verwunschener Weg mit Infanteriehindernissen zwischen den Streichen)

 

 


(Wir klettern in die erste Streiche, schönerweise liegen Steine vor der Tür die das vereinfachen)

 

Unten in der Streiche angekommen wichen wir den zahlreichen Infanteriehindernissen und alten Stacheldrahtverhauen aus, bis wir zur ersten der zweistöckigen verbunkerten Grabenstreichen kamen. Diese haben wir dann auch prompt erkundet. Innen erinnerte vieles an Fort Koenigsmacker – kein Wunder, beides war grob zur ähnlichen Zeit gebaut worden. Man merkte sofort, das hier nichts fertig wurde, aber spannend war es auf jeden Fall.

Nachdem wir das erste kleine Werk erkundet hatten, gingen wir durch die tiefer werdende Streiche zum zweiten Bauwerk nach Norden. Der Weg war relativ gut begehbar wenn man den Infanteriehindernissen auswich. Wie immer mussten wir hier etwas langsamer und vorsichtig agieren. Der zweite zweistöckige Bunker war ebenfalls sehenswert – hier waren auch diverse Explosionsspuren zu finden. Ob diese durch Kampfhandlungen oder spätere Versuche entstanden, war mir nicht ganz klar, es sah aber eher nach Kampfspuren aus. Beeindruckend, wie hier der Beton und die Panzerplatten nach innen eingedrückt wurden. Auch das angefangene Tunnelsystem war schön zu sehen, wenn auch kurz leider.

 


(Aus der Streiche heraus - man sieht im Vorfeld die Hindernisse und weiter hinten den tiefen Graben und die steilen Wände)

 

 


(Auf dem Weg zur nächsten Streiche)

 

 


(Krasse Zerstörungen im Inneren der Streiche. Kampfspuren eventuell?)

 

Nachdem wir einige Bilder gemacht haben, sind wir „der Einfachheit halber“ nach Westen in Richtung nächster Bunker gegangen. Der Weg durch die Grabenstreiche wurde hier aber zu einer Art Gang durch den Dschungel. Ein Pfad war bald nicht mehr vorhanden, der Weg durch rutschige Steine und Äste gekennzeichnet. Nur sehr langsam kamen wir hier in der Natur voran, wenigstens gab es einige beeindruckende Bilder und Eindrücke. Der weg dauerte also recht lange, schließlich kamen wir aber am Ende an und sahen in der Ecke den Bunker. Ein Einstieg war über eine eher wackelige Steinstapel Konstruktion möglich – und am anderen Ende der Grabenstreiche war Erdreich in die Streiche gerutscht, so das wir an der Stelle relativ gut später wieder nach oben in die Anlage gelangen würden.

 

Flugs also in die Anlage eingestiegen und erkundet. Auch hier war doch ein wenig erhalten und als Besonderheit fanden wir am Ende der Anlage den Zugang zu einem Tunnel. Dieser war leider nicht fertig gebaut, insbesondere fehlte eine Leiter oder Treppe, um nach unten zu gelangen. Ein paar Mutige sind dennoch mit Seil gesichert abgestiegen und fanden unten einen leeren Tunnel vor, der in einem Schacht ohne Aufstiegsmöglichkeiten endete. Interessant!


(Idyllischer aber schwerer Weg durch die Natur die sich die Grabenstreiche erobert hat)


(Fundstück auf dem Weg: Hier wurde gezielt geschossen...)


(Die dritte grabenstreiche in der ersten Horimontstellung, man sieht deutlich die beiden Etagen.)

Nachdem wir wieder alle hochgezogen hatten, ging der Weg zurück nach Draußen und wir erkletterten den Rand der Anlage. Wir fanden uns fast direkt an der vom Vortag bekannten Straße wieder und machten uns zurück in die Richtung wo wir gerade herkamen. Auf dem Weg fanden sich erneut einige der Lagerbunker und nachdem wir jeden Einzelnen (!) kontrolliert hatten, fanden wir in der Tat drei Bunker, von wo aus die Tunnel per Schacht hätten zugänglich sein sollen. Die Schächte waren gebaut aber es gab in ihnen keine Leitern. Bei zumindest einem der Schächte war ein Teil einer Flaschenzugkonstruktion erhalten, zumindest in diesem Fall war also eine Art Munitionstransport per Lastkorb offenbar eingebaut oder sollte eingebaut werden.


(Das Ende des Grabens - hier wurde nicht zu Ende gebaut. Steiler Abhang den wir dann hochmussten.)


(Schöne Versinterungen in der Grabenstreiche)


(Unser engagierten Mitfahrer seilen sich ab in den Tunnel, der zum unteren Ende des Schachts von den Lagerbunkern führt.)


Da sich der Rest der Bunker komplett wiederholte und die Zeit langsam drängte, sind wir dann nicht mehr zur zweiten Stellung rübergegangen (der Weg wäre auch nicht ganz kurz gewesen) sondern sind zu unserem zweiten Ziel des Tages aufgebrochen. Also zurück zu den Autos, auffällig unauffällig die stark befahrene Strasse überquert, schnell etwas Wasser getankt und die Fahrt ging los zur GO Michelsberg, die schon seit Jahren auf der „To do Liste“ stand.


(Blick von oben auf das westliche Ende des Systems.)


(Noch ein paar Lagerbunker, hier mit Zugang zum Schacht zum Hohlgangsystem)


(Abwärts in den Schacht - besser nicht reinfallen!)

 


(Noch ein paar Bilder - hier ist ein Teil der Treppe erhalten aussen)


(Kleines Detail: Gewehrhalterung und noch funktionsfähige Abluftöffnungen im Bunker)

 Gros Ouvrage Michelsberg

Das Werk Michelsberg ist ein großes Artilleriewerk der Maginot-Linie. Die ab 1930 erbaute Festung wurde 1937 an die Armee übergeben. Sie war Teil des befestigten Sektors von Boulay (SF), der wiederum in die befestigte Region Metz integriert war.

 

Das GO Michelsberg besteht aus einem gemischten Eingangsblock (Entre Mixte), der Personal, Munition und Ausrüstung beherbergte. In Feindrichtung besteht es aus fünf Kampfblöcken, die mit sechs Kanonen, zwei Mörsern, mehreren Dutzend Gewehrscharten und Maschinengewehren in Scharten und Kuppeln ausgestattet waren. Seine Feuerkraft betrug eine Tonne Granaten pro Minute in einem Umkreis von mehr als zwölf Kilometern.

 


Größere Kartenansicht 

Der imposante 135mm-Geschützturm den man sehen kann, ist mit seinen 265 Tonnen Gewicht das größte Turmmodell der Maginot-Reihe. Wie auch bei den anderen gros Ouvrages der Maginotlinie handelt sich um eine echte unterirdische „Stadt“ (oder eher ein Dorf), das sich in einer Tiefe von 30 Metern befindet. Die unterirdischen Räumlichkeiten verfügten über für die damalige Zeit hochmoderne Anlagen mit riesigen Generatoren, elektrischen Küchen, einem Kommandoposten, einer Kaserne und einem kleinen elektrischen Zug, der über mehr als einen Kilometer durch Stollen fuhr.


„Das 1937 fertiggestellte Werk Michelsberg erlebte seine erste Mobilisierung im Jahr 1938, insbesondere aber beim Kriegseintritt Frankreichs mit Deutschland dann. Im September 1939 war die Besatzung von 515 Mann komplett. Auf Befehl von Commander Duvauchelle und dann später von Commander Jules Pelletier sah sich die Garnison des Werks mit der Langeweile des „Sitzkriegs“ konfrontiert. Diese Monate der Inaktivität ermöglichten es den Männern, sich mit den Anlagen vertraut zu machen und vor allem die Verteidigung durch zusätzliche Vorkehrungen zu stärken.
hen.

Im Mai 1940 stellte der deutsche Durchbruch in den Ardennen die französische Armee vor riesige Probleme und im Juni 1940 wurde das Werk durch einen Brand auf die Probe gestellt. Die deutschen Truppen griffen den Sektor Boulay an, um eine Bresche an den Ouvrages Mt des Welsches und Michelsberg in der Maginotlinie zu schaffen. Da sie nicht in der Lage waren, beide Werke gleichzeitig anzugreifen, konzentrierten sie am 20. Juni 1940 ihr Artilleriefeuer auf den Michelsberg. Eine 8.8er Flakbatterie bedrohte die Strukturen des Werks ernsthaft. Die heldenhafte Besatzung leistete der Festung, die sie verteidigte, würdigen Widerstand. Innerhalb weniger Tage fiel eine regelrechte Feuerflut auf die Elemente des deutschen 95 ID. Mehr als 6000 Granaten wurden von den Michelsberg-Kanonen abgefeuert. Der 22. Juni 1940 markierte den größten Tag der Aktivität mit einem schweren Brand auf Block 2 des Gebäudes. Doch am Steuer seines 135-mm-Turms zerstörte Leutnant Deschamps das feindliche Artilleriehauptquartier und insbesondere die 88er-Batterie.


Wie fast die gesamte Maginot-Linie verließen die Verteidiger des Michelsbergs das Werk am 4. Juli 1940 ungeschlagen und gingen für mehr als vier Jahre in Gefangenschaft.“

Soweit zur Geschichte des Werks laut der Homepage des Vereins, der heute die GO betreut. Auch hier hat Corona zugeschlagen, auch hier sind nur noch wenige Aktive mit der Erhaltung des Werks betraut. Wenn nicht das eine oder andere „Original“ sich mit diesen Dingen beschäftigen würde, dann wäre schon längst vieles nicht mehr erhalten oder zugänglich und würde den Kabelratten und Metalldieben anheimfallen.

Doch bevor wir uns längere Zeit unter die Erde bewegten, nahmen wir ein ausgiebiges Essen zu uns, ließen und die morgens an einer Bäckerei erworbenen Baguettes und Croissants schmecken und plünderten die mitgebrachten Minisalamis und Co.
 

 

 
Eine der LMG Scharten am Eingang - hier durfte man mal "Anfassen")  


(Die ausführliche Vorstellung der Werkstatt und des Motors.)  


(Das Gespenst bei der Arbeit - supernette Demo der Maschine.)

Unaufgefordert angesprochen wurden wir hier von einem „besorgten Bürger“ – bzw. am Thema Bunker offenbar außerordentlich interessierten Mann. Der bestand dann auch auf auf korrekteste Bezeichnung von Bunkern/Kampfständen/Sonstwas und fiel uns mithin sofort ganz positiv auf. Nun. Wir konzentrierten uns aufs Essen und die Antworten wurden dann irgendwann einsilbig genug, dass er Abstand von uns nahm.


Umso größer war dann die leicht unangenehme Überraschung das es sich hierbei um den deutschsprachigen Tourguide handelte, der uns dann in der Anlage nach Vorzeigen der Tickets in Empfang nahm. Das ging ja gut los… Nachdem dann geklärt wurde, das es kurz nach uns eine französischsprachige Gruppe gab, und die Leute passend verteilt wurden, nahm man uns mit in die Anlage. Und die ist wirklich sehenswert!

 


(Eine leichte Schimmelbelastung in der Anlage.)  


(Ausgebautes Doppelgeschütz aus einem Turm zur Demo.)  


(Ich bin mir fast sicher das wir DIESE Küche schon mal woanders gesehen haben zuvor...)  

Wir begannen mit einer ausführlichen, wenn auch relativ schnell abgehandelten Einleitung was die Maginotlinie und deren Ouvrages sei, sahen dabei den Eingangsblock und schwupps fanden wir uns auf dem Weg in die Innereien der Anlage wieder. Für uns soweit keinerlei Neuland, aber immer wieder schön, solche Anlagen sehen zu können.

 


(Für mich ein Highlight: Die Beleuchtung im Tunnel, das hier hatte ich noch nie gesehen)  

Was auf jeden Fall Neuland war, war eine Live-Demo der Diesel mit denen Strom für die Anlage ursprünglich produziert wurde. Die hatte ich bisher ein einziges Mail miterlebt als ich 2006 in Fort Schoenenbourg war. Dort lief der Motor auch einmal zu Demozwecken. Hier wurde der mit ordentlich Pressluft angeblasen und dann ratterte die alte Maschine los, die Luft roch nach Diesel und es war beeindruckend laut. Als ob die Szene mit dem Maschinisten in „Das Boot“ lebendig wurde – und der nette Mensch von dem Verein der die Maschine betreut, hat auch optisch dort gewisse Ähnlichkeiten gehabt.


Nach vielen Fotos und kurzem Video wie der Motor lief, ging die Tour weiter. Wir bedankten uns für die tolle Demonstration und marschierten Richtung Magazin bzw. Kasernenblock.
 


(Im Generatorbereich)  


(Geschützturm)  


(Tolles Absperrgitter)  

Dort angekommen konnten wir eine äußerst schimmelige Dusche bewundern und ein ausgebautes Turmgeschütz. An dem wurde dann demonstriert, wie der Verschluss funktionierte (im Handbetrieb). Als scharf geschossen wurde, wurde das durch den Druck der Granaten wieder neu geladen, hier simulierte einer vom Verein per Hand, wie das Ganze funktionierte. Sehr spannend!
In der Küche gab es dann drei toll erhaltene Kochtöpfe zu sehen (ob die aus Molvange stammen?), den originalen Backofen und Boiler. Also so richtig viel und in gutem Zustand.


Auf dem Weg zum Block 6 machten wir einen Abstecher zum Kommandostand, hier war im Vergleich zu anderen Werken leider weniger erhalten, aber immerhin. Dafür gab es tolle Beleuchtungen die noch aus alten Zeiten stammten in der Hauptgallerie.
Am Block angekommen machten wir uns auf den langen Weg nach oben. Dort angekommen erwartete uns die aus anderen Werken bekannte Turmmechanik, die ausgiebig erklärt wurde. Wir kriegten etwas Extrazeit um Fotos zu machen und viele Fragen stellen zu können, das lohnte sich wirklich.


Danach ging es dann auf den recht langen Weg zurück zum Ausgang, wir verabschiedeten uns von unserem Tourguide und nach Mitnahme einer Visitenkarte haben wir dann mal die andere Feste die von dem Mann mitbetreut wird, als mögliches Ziel für 2024 ins Auge genommen. Ob das auch so passiert, wird man im nächsten Tourbericht lesen können!

Kurze Wasserpause und dann fuhren wir los zu einem alten Bekannten, dem PO Denting.


Petit Ouvrage Denting

Das Petit Ouvrage in der Nähe des Orts Denting gelegen war schon einmal ein Ziel von mir – 2010 waren Robert und ich vor Ort, aber da war es leider frisch mit Erde zugeschüttet worden und im Beisein eines netten aber aufmerksamen Bauerns wollten wir dann nicht lange nach alternativen Einstiegen suchen. Ergo sind wir damals dann zum PO Hobling gefahren und Denting kam auf die „muss ich später nochmal hin“ Liste. Dort blieb es nun satte dreizehn Jahre lang – immer wieder mal als Ausweichziel aufgenommen und aufgrund der nicht großen Größe für dieses Jahr das perfekte dritte Ziel am zweiten Tag der Tour.


Das ab 1931 geplante und gebaute Werk besteht aus drei Blöcken, einer davon dient als Kampf- und Eingangsblock, ähnlich wie bei PO Welschhof. Wie auch dort sollte das PO ursprünglich größer sein mit einem abgesetzten Eingangsblock und der Möglichkeit, noch zusätzliche Kampfblöcke hinzuzufügen. Das wurde aber nicht umgesetzt und auch die Bewaffnung der kleinen Anlage war eher übersichtlich. Gerade einmal zwei PAKs wurden in der Anlage verbaut, drei GFM Türme und zwei Zwillings-MG Türme stellten einen Großteil der Bewaffnung dar (plus zwei oder drei weitere MGs die tw. in den Mix-Scharten mit den PAKs genutzt werden konnten. Das Werk war weder 1940 noch 1944 in Kämpfe verwickelt und überstand den krieg daher recht unbeschadet. Noch bis in die frühen 70er Jahre hinein wurde es von der französischen Armee instandgehalten, aber nicht wirklich modernisiert. Die heillos veraltete Anlage wurde dann verkauft und ist derzeit im Besitz der Gemeinde.


Da es Mitte der Nuller-Jahre leider einen Run auf die Anlage kam unter anderem durch einen weitverbreiteten Post in einer Geister- und Mysteryseite im Internet, wurde es der Gemeinde mit der ungebetenen Laufkundschaft zu viel und Ende 2009 wurde die Anlage zugeschüttet. Und genau deswegen standen wir 2010 vor zwei großen Erdhaufen, statt hineinzuklettern.
 


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(Die noch fast funktionierende Observationskuppel.)


(Treppe abwärts zur Gallierie)  


(Die Filteranlage - also richtig gut ehalten noch!

Nun ist es so, das sich Erde mit einem Spaten bewegen lässt und offenbar haben das genug Interessierte in der Folge gemacht, so das seit mindestens 2014 die Anlage wieder befahrbar ist – wenn auch weniger bequem als früher. So machten wir uns also auf den Weg und parkten unsere Autos ca. 1,5km weg von der Anlage an einer Stelle, wo früher eine wilde Müllkippe war. Dort stand zwar ein Bagger, aber Samstags abends wurde hier nicht mehr gearbeitet und wir hatten freie Bahn, zur Anlage zu laufen.

 

Dort angekommen wollten wir erst um den Kuhzaun drumherum zum Block 2, doch schönerweise kam von denjenigen, die eine Abkürzung nehmen wollten, bald die Meldung das auch Block 1 aufgebuddelt sei und man da schneller rein käme. Hurra! Also ab durch die Kuhweide, unterm Elektrozaun durch und los ging es durch das enge Loch der 47mm PAK-Scharte in die Anlage rein. Einer nach dem anderen zwängte sich durch die Engstelle und nachdem wir alle drin waren, ging es mit Helm auf und Licht an nach unten in die Finsternis des Petit Ouvrages (zugegeben nachdem wir zuerst die oberen Etagen uns ansahen mit GFM Turm und Co) – hier war doch deutlich mehr zu sehen erhalten geblieben, als die eher verhaltenen Berichte vermuten ließen.




(Ließ sich noch bewegen - kleine Scharte im Bunker.)  


(Morsche KLapptische in der Gallerie, die als Speisesaal auch genutzt wurde.)  

Unten in der Galerie angekommen machten wir uns auf den Weg zu den Filteranlage. Rund sechs Stockwerke tief im Boden angelangt wurde hier wie in den anderen GOS und POs die Außenluft gefiltert. Gut erhalten und ein Teil der Handlüfter hing auch noch mit dran. Klasse! Ebenfalls gut erhalten waren die Klapptische im Hauptgang der Anlage. Hier konnte die Besatzung ihr Essen einnehmen, normalerweise sind diese Tische aber alle verschwunden bzw. verrottet. In Denting aber nicht – der eine oder andere Tisch lässt sich sogar noch vorsichtig bewegen und einhaken!

Wir gingen weiter den eher kurzen Weg zum Block 2 der Anlage. Bei nur drei Blöcken würden wir hier wohl bald durch sein, aber auf dem Weg dorthin fanden wir noch ein paar außergewöhnliche Dinge. Unter anderem den Zugang zum begehbaren Abwasserstollen – den haben wir aber nicht bis zum Ende durchwandert, auch wenn es sicher mal schön gewesen wäre, zu sehen wo der nun endet. Außen ist er offenbar verschüttet.


Am Kommandoposten konnten wir insbesondere noch Reste der Elektroausstattung finden. Ein paar gut erhaltene Beschriftungen und Wandmalereien ließen sich auch entdecken, dazu mehr oder oft eher weniger gelungene neuzeitliche Graffiti. Auch die Waschräume sowie sanitären Anlagen waren noch recht gut erhalten (letztere wie so oft aber irgendwann durch Besucher benutzt, was… nicht schön ist).


(Moderne Graffitti - aber nicht überall zum Glück.)  


(Hauptquartier und Telefonzentrale - leider schwer geplündert.)  


(Highlights wie Beschriftungen waren dabei.)  

Auch der Maschinenraum enthielt noch mehr als manch anderes Werk, zwar optisch weniger schön als etwa damals Welschhof, aber es gab noch so einiges zu sehen.


Nachdem wir auch die kleine Krankenstation gesehen hatten (und uns über das Laken auf einer der Liegen wunderten – möchten wir WIRKLICH wissen, was hier so manche Gruppe unter der Erde treibt?) ging es an den Aufstieg zum Kampfblock. Wieder sechs Stockwerke hoch und die Temperatur stieg sofort merklich an. Sehr gefährlich leider der offene Schacht – hier ist nichts im Weg, was einen davon abhält, sechs Stockwerke tief auf Schrott zu fallen. Da ist wirklich Vorsicht angesagt! Wir machten einige Bilder vom Kampfblock, insbesondere die erhaltenen Beschriftungen rund um die Hülsenrutsche waren eine Besonderheit. In der oberen Etage des Blocks fand sich dann die zweite PAK Scharte und hier war der Zugang noch einfacher als die Scharte, durch die wir hereingekommen waren.


(Durcheinander im Maschinenraum.)  


(Reste des Motors)  


(So sieht der Fahrstuhl unten aus...)  


Runter ging es in die Galerie, rüber zum Block 3 und nachdem wir dort sportlich wieder hochgeklettert waren, haben wir uns den Turm angesehen (Doppel MG Turm, versenkbar) – haben aber wegen des schlechten Zustands des Boden den nicht erklettert sondern nur ein paar Bilder gemacht und nach Inansichtnahme des Rests (große Mengen fette Spinnen!) des Blocks den Weg wieder nach unten gesucht.


Auf dem Weg nach unten zum Boden des Blocks machte ich noch Bilder von den schönen Versinterungen auf der Treppe – leider ist der Boden unten so feucht, das man hier ohne Stiefel schnell nasse Füße bekommt. Zum Glück hatten wir unsere Stiefel an, so blieben wir trocken. Da wir damit bereits die ganze Anlage gesehen hatten, machten wir uns auf den Rückweg zum Eingangsblock 1, kletterten dort die Treppe nach oben und nacheinander aus der Scharte heraus. Tief sogen wir die sommerlich warme Luft draußen ein und beschlossen, das es spät genug wäre, zum Hotel zurückzukehren, sich etwas zu säubern, Nahrung zu suchen und aufzunehmen und den Abend bei einem bis drei Funktionsbieren der Sorte Hansa ausklingen zu lassen.



(Der offenen Schacht von oben - das war leider nicht ungefährlich)  


(So schicke Inishcriften findet man selten)  


(Die Versinterungen auf dem Weg nach unten vom Kampfblock. Toll!)  

 

Und das passierte dann auch – während Sergej und Alex nochmal einkauften, packte der Rest sich schnell unter die Dusche, ich rief zuhause an um zu schauen, ob es der Familie auch soweit gut ging und dann ging es nach nebenan zum Schnell BBQ Grill. Dort gab es ein wirklich gutes, wenn auch etwas teures belgisches Bier in kalt und angebranntes Fleisch in warm (was zu durch war, aber es war sonst ok) und nachdem wir entsprechend entspannt auf dem Parkplatz angelangt waren, vervollständigte sich die Gruppe wieder, das kalte Dosenbier wurde einmal durchgereicht und reihum entleert.

Der Abend wurde noch lang und wir haben uns blendend über die aktuelle, vergangene und mögliche zukünftige Touren unterhalten. Und irgendwann war es auch Zeit, ein wenig an der Matratze zu horchen…


Tag 3 - Feste Marival und Fort Henseler

 

Irgendwie war die zweite Nacht gefühlt extrem kurz, aber das Aufstehen am letzten Tourtag ließ sich leider nicht vermeiden. Bei mir war das noch ok, ich kenne da meine Grenzen und halte mich eisern an die Dreierregel was das kalte Hansa betrifft – aber das trifft halt nicht auf jeden Mitfahrer zu. Da der eine oder andere doch ein wenig nachgelegt hatte, wurde der Morgen nicht für jeden angenehm. Nun, Kindergeburtstag, Ponyhof – Bunkertour. Alles ein Niveau, entsprechend anstrengend und als Erwachsener sollte man schon wissen, was man da macht.


Apropos machen – wir machten uns daran. Die Zimmer zu entleeren und das Gepäck wieder Tetrismäßig ins Auto zu stapeln. Immerhin war das nun etwas leichter da Snacks und Getränke größtenteils leerer waren. Kurz noch die sanitären Anlagen ausgelastet und dann machten wir uns nach dem Auschecken auf den Weg. Wir hatten zum Glück wieder Frühstück beim Bäcker geholt, unser zweites Fahrzeug startete ein wenig später, die Jungs holten uns aber dann bald ein. Nach gar nicht so langer Fahrt kamen wir dann am geplanten Parkplatz an,. Etwas außerhalb von Metz und an einer etwas kuriosen Ansammlung von Autos, die mich leicht an die Ausstattung von Borat oder Ali G erinnerte.


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Wer konnte, warf sich nun ein Frühstück ein, wer noch nicht so recht wollte, schnappte sich ein Wasser und legte sich zehn Minuten aufs Ohr. Danach allerdings ging es einen sehr sehr steilen Waldweg hoch. Bei Google Maps schaute das ganze völlig harmlos aus, in Echt allerdings waren wir schon recht bald sehr platt. Es ging wirklich heftig steil nach oben und der Weg der querfeldein nur wenige 100m lang wäre, war so mit Serpentinen etc. locker 2km lang. Oder mehr. Jedenfalls benötigten wir einige Pausen bei der Bergwanderung und beschlossen unter anderem, das wir als zweites Ziel des Tages wohl eher nicht die Feste Bois de la Dame ansteuern würden – diese war nämlich NOCH weiter oben auf dem Berg und uns ging jetzt schon die Puste aus.
Der Weg nahm uns steilerweise auf grob halbe Höhe des Berges und war wirklich malerisch. Mit mehr Kondition und bei höherer Fahrtüchtigkeit hätten wir sicherlich den ruhigen Sonntagmorgen im Wald mehr genossen, aber so war es noch erträglich.

 


(Die Scharten im ersten gefundenen Bunker)  


(Die Beobachtungskuppel oben auf dem kleinen Werk)  

Weniger erträglich war die Orientierung – eine ganze Wiele dachten wir, dass wir auf dem falschen Weg waren, es stellte sich aber schlicht heraus, das der Anmarsch erheblich länger war als gedacht. Letztlich erkannten wir aber links und rechts vom Weg das erste Beton und stellten fest, dass wir uns bereits mitten in der Anlage befinden mussten – die aber nie fertig wurde, weswegen an vielen Stellen das eher an eine Baugrube oder Steinbruch erinnerte, als an eine Bunkeranlage. Nachdem wir aber nach über einer halben Stunden um eine Ecke bogen, bot sich uns ein interessanter Anblick: Eine große betonierte Fläche unter einem steilen Felsenkliff. An der Seite ein Tunnel – hier waren wir endlich richtig!

 

 
(Die "Baugrube" in der sich unter der betonplatte für die geplante Kaserne die Tanks befinden.)  


(Da war schwer reinzukommen...)  


(Hier wächst der Baum durch die Betondecke wo es eingestürzt ist.)  


Zum Hintergrund:
„Zwischen der Feste Kaiserin und der Feste Kronprinz liegen auf einem Plateau sieben Infanteriestützpunkte mit unterschiedlicher Größe. Sie haben den Spitznamen „Die sieben Zwerge“ erhalten. Sie sind in fast strikter Nord-Süd-Ausrichtung angelegt und besitzen untereinander nur einen wenige hundert Meter betragenden Abstand. Baubeginn für diese Werke war das Jahr 1912, als die Stützpunkte Vaux-Süd und Vaux-Nord errichtet wurden. Beide waren 1913 erstellt. Kurze Zeit später begann man mit dem Infanteriestützpunkt Marival, der aber nicht vollendet wurde und dessen Bau 1916 abgebrochen wurde. Das zentrale Werk Bois la Dame ist der größte Stützpunkt unter ihnen. Sein Baubeginn war 1913, jedoch wurde auch hier die Arbeiten 1916 eingestellt. Die nördlichen Stützpunkte Jussy-Süd, Jussy-Nord und St. Hubert sind 1914 erstellt worden.“


Wo das Zitat herkommt, kann ich nicht genau mehr sagen, aber das trifft es. Wie sehr das Ganze noch im Bau war, war uns vorher nicht klar. Die Feste Marival jedenfalls ist ein eher seltener besuchtes Werk wie uns schien. Obwohl es Luftlinie nah an Wohnbebauung liegt, war hier dann doch weniger Verwüstung als man meinen könnte. Zumindest wenn man es mit Werken wie etwa im belgischen Lüttich vergleicht.
   
(Glitzernde Wurzeln und Stalagtiten)  


(Riesige Hallen unter der Erde)  


(Im Vergleich wie gigantisch die Tanks sind)  


(Die Steilkante von oben - auf dem Weg zum anderen Bunker.)  

Wo das Zitat herkommt, kann ich nicht genau mehr sagen, aber das trifft es. Wie sehr das Ganze noch im Bau war, war uns vorher nicht klar. Die Feste Marival jedenfalls ist ein eher seltener besuchtes Werk wie uns schien. Obwohl es Luftlinie nah an Wohnbebauung liegt, war hier dann doch weniger Verwüstung als man meinen könnte. Zumindest wenn man es mit Werken wie etwa im belgischen Lüttich vergleicht.


Wenn wir die uns vorliegende Karte der Feste betrachteten fiel sofort auf, das hier sich die Realität anders darstellt, als gedacht. Laut Plan hätten wir vor einer Kaserne stehen sollen, mit diversen kleineren Werksteilen die per Tunneln verbunden sein sollten. Nun – immerhin fanden wir einen Eingangstunnel. Also die Wand erklommen und ab in den relativ steil abfallenden Tunnel. Der endete nach nur recht kurzer Zeit in einer großen Öffnung – eine Art künstlicher Innenhof, Rings um uns waren hohe Steilwände, eine war etwas niedriger. Es schien so zu sein, dass hier Feldgeschütze hätten aufgebaut werden können mit westlicher Zielrichtung. Aber sonst war hier praktisch nichts zu finden, außer ein Pfad vom Innenhof aus auf das Plateau über uns. Da dies nun gar nicht dem Plan entsprach, folgten wir dem Pfad nach oben, schauten uns um – und entschlossen uns dazu das eine Gruppe nach oben ging und suchte und die andere wieder nach unten.
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(Betonierte und steinerne Gräben!)


(Wie ein kleines Amphitheater - der Bunker von aussen) 


(Innen Treppe abwärts zum kleinen Hohlgangsystem.) 

Beide Gruppen wurden dann bald fündig – neben dem Tunnel den wir gerade gefunden hatten gab es noch einen zweiten Gang, der nach rechts führte. Und dieser führte dann zu einem Bunker, den auch die Gruppe oberirdisch bald entdeckte. Also trafen wir uns schnell im Eingangsbereich der Anlage (die außen mit viel modernem Stacheldraht versehen wurde). Der Bunker war nicht allzu groß und wurde offenbar für einen Rave verwendet, wir entdeckten doch so einige Spuren die darauf hindeuteten. Sehenswert war die große Scharte, hier waren ursprünglich mal zwei 7,7cm Kanonen eingebaut auf einer großen Lafette, die über das ganze Tal hinweg schießen konnten. Davon war nichts mehr zu sehen, aber die Scharte an sich eben noch da und links die Lafette. Neben dem großen Raum, in dem eine Wand fehlte (es sah aus wie nach einer Sprengung und nicht durch Gefechtsschäden) gab es noch eine kleine erkletterbare Kuppel. Wenn man hier hochkletterte, landete man in einem kleinen Beobachtungsstand. Da hier sonst nichts zu sehen war, sind wir aus der Anlage raus, den kleinen Hang hoch und standen dann auf dem Dach des Bunkers. Großartige Aussicht und unter uns sah man deutlich das eingeschränkte Richtfeld der Geschütze aus dem Bunker. Und neben uns eben die keine Stahlkuppel des Beobachters.

 

Von hier aus sind wir dann zurück zur großen Freifläche gegangen, wir standen nun oben an der künstlichen Klippe und schauten herunter. Und da fiel uns auf, dass dies eventuell keine Bodenplatte, sondern eine Decke sein könnte…? Wir gingen also den Hang an der Seite herab du stand wieder am Startpunkt der kleinen Anlage. Nach rechts hin gab es einen leider verkeilten Tunnel, der zu einem weiteren Bunker führte. Da passten aber bis auf einen keiner von uns durch. In der Mitte der Anlage zur Steilklippe hin aber fanden wir ein Loch am Rand der Platte, wo Unmengen Stacheldraht den Zugang erschwerten. Dort hineingeleuchtet und zack – da war was! Also habe ich meinen Rucksack Sergej gegeben und bin mutig durch das Drahtgeflecht geklettert und das lohnte sich wirklich! Unterirdisch war hier eine große Kaserne/Tanklager angelegt worden. Leider in schlechtem Zustand aber eben doch sehr groß. Auf Bildern kamen die riesigen Tanks, die wir fanden nicht richtig rüber, aber die waren locker 20m lang und 4m hoch. Wahnsinn! Ohne jemand anderem auf dem Bild sah das aus als ob da nur ein Fass rumliegen würde… Was uns nicht klar ist: Sind diese Tanks original gewesen oder eine Erweiterung aus dem zweiten Weltkrieg? Ende 1944 waren die „Sieben Zwerge“ von Volksgrenadier Einheiten besetzt, die die „Festung Metz“ verteidigen sollten. Zumindest bei den kleinen Anlagen klappte das nicht, diese wurden am 14. November 1944 von der US Armee förmlich überrannt. Bei dem Ausbauzustand auch wenig verwunderlich…


(Innen die erhaltenen hölzernen MG Lafetten.) 


(Einer der Entlüftungsschieber funktionierte noch.)  

Nachdem wir das alle bestaunt hatten und alle Räume erkundet hatten (an einer Stelle wächst ein Baum aus der eingestürzten Decke nach oben, sehenswert!) sind wir den Weg zurück nach oben auf die Klippe gegangen. Von dort aus suchten wir dann den Bunker, der mit dem Tunnel verbunden war, den wir aber so nicht erreichen konnten, weil das Loch zu eng war.


Nach einigen Minuten fanden wir den auch im dichten Gestrüpp. Die Sonne schien malerisch auf die kleine Anlage und wir sind direkt reingeklettert. Es handelt sich hierbei um eine zweietagige Grabenstreiche mit MGs, ähnlich solchen wie wir sie als Rohbau am ersten Tag gefunden hatten. Diese war weiter ausgebaut und wir erkundeten zuerst die obere Etage. Die Scharten waren hier gut erhalten, sonst war die Anlage recht leer. Aber eben auch fast frei von Graffiti und Co, nur vereinzelte Reste von Übungsgranaten waren zu finden! Über die steile und unfassbar rostige alte Leiter ging es dann nach unten, einer nach dem anderen fand den Weg und wir schauten uns auch hier um. Leider gab es hier dann doch Graffiti aber eben auch erhaltene MG-Lafetten und sogar eine funktionsfähige verschiebbare Panzerplatte/Lüftungsklappe, die sich noch bewegen ließ. Nach über 100 Jahren – schön sowas zu entdecken!

Aus den Scharten hatte man ein perfektes Schussbild in die nicht fertig gestellten Gräben – wir gingen dann noch in den Tunnel hinein der wieder zur Hauptanlage führen sollte und fanden dann am Ende wirklich die Tür, wo wir nicht durch passten. Ein paar Fotos später sind wir dann aus der Anlage wieder raus und zurück zum Hauptplatz gegangen. Denn mehr war hier leider nicht erhalten.


(Hohlgangsystem.) 


(Innen die viel zu enge Tür zur Kaserne.)  


Man merkt deutlich das die „Sieben Zwerge“ eben noch im Rohbau waren. Insgesamt hätten hier drei bis vier Grabenstreichen gebaut werden sollen, die Doppel 7,7cm Kanonenkasematte (gebaut), die große Kaserne (zumindest Keller ist vorhanden) und offenbar noch eine Kasematte für Geschütze, die nur als Feldstellung gebaut wurde. Vorhanden sind so also nur eine Grabenstreiche, eine Geschützkasematte, die Tunnel und eben das Untergeschoß der Kaserne… Das war dann vielleicht doch nicht ganz den Trip den Berg hoch wert, aber das weiß man meistens halt erst hinterher.


(Innen wieder die Treppe aufwärts .)  


Jedenfalls war keine Motivation vorhanden nun noch weiter den Berg hochzuwandern und ca. 45 Minuten zu „Bois de la Dame“ zu laufen. Also machten wir uns auf dem Weg zum Auto und wollten stattdessen lieber das Fort Henseler uns ansehen. Bergab ist ja immer etwas leichter dachten wir uns und so sind wir nicht den ganzen langen Weg zurück und den offiziellen Weg lang, sondern an einer Stelle an einem Steilhang vorsichtig aber hochriskant den Abhang runtergeschliddert. Das war nicht ganz ohne, hier hätte man sich böse Knöchel oder ähnliches umknicken können. Klappte aber und so waren wir nach einer Viertelstunde zurück an den Autos, rehydrierten uns und machten uns auf den Weg zum letzten Ziel für diese Tour.

 

Feste Graf Häseler (Werk Saint-Blaise)

Nach einer übersichtlichen Fahrt kamen wir in der Nähe unseres Ziels an – zwar standen wir direkt vor einem großen handgemalten Schild das auf Französisch irgendwas offenbar untersagen wollte, aber… auch bei Google Maps sieht man Leute genau vor dem Bild parken. Witzig. Es wurde jedenfalls Zeit für ein kleines Mittagessen, also schnell Snacks wie Minisalamis und Co rausgeholt und eine gewisse Grundlage geschaffen für den Rest des Tages. Wir haben uns dann etwas leichtertes Equipment eingepackt aber auch Lampen, da wir die Tunnels unter dem Fort erkunden wollten.




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Zum Hintergrund: „Die Feste Graf Haeseler (Groupe Fortifié Verdun) wurde zwischen 1899 und 1905 erbaut. Das Werk Saint-Blaise war mit vier 10 cm- Granatwerfern und vier 15 cm-Granatwerfern ausgerüstet. Das Werk Sommy hingegen erhielt zwei 10 cm-Granatwerfer. Diese Waffen waren alle in drehbaren Panzertürmen untergebracht.
Das Werk Saint-Blaise wurde zudem mit einem drehbaren, gepanzerten Beobachter, mit vier festen Artilleriebeobachtern und acht Infanteriebeobachtern aussatattet. Außerdem besaß das Werk zwölf Beobachtungsposten. Im Inneren des Werkes gab es Telefon und Zentralheizung. Das Trinkwasser wurde von der Pumpstation in Ars-sur-Moselle über Kanäle zum Werk geleitet, wo es in drei Zisternen gesammelt wurde. Die Kaserne war für 500 Soldaten ausgelegt.“ So laut darkplaces.org eine kurze Beschreibung – da wir ja schon einige Werke in der Ecke erkundet hatten, wurden wir hier Zeuge, wie sich binnen weniger Jahre der Baustil radikal anfing zu entwickeln. Bei dem größeren Teil von Häseler sind die Vorwerke noch sehr klassisch aufgebaut, teilweise mit riesigen Gräben die gemauert (!) sind statt rein in Beton erstellt worden zu sein.


„Das Werk Sommy wurde mit zwei festen Artilleriebeobachtern, vier Infanteriebeobachtern und acht Beobachtungsposten versehen. Auch hier gab es Telefon und Zentralheizung. Das Trinkwasser kam vom Werk Saint-Blaise und wurde in Zisternen gesammelt.
Die Gesamtfläche der Feste Graf Haeseler (GF Verdun) beträgt 70 Ha.“


(Eingangsbefestigung der Feste. Man beachte die großen Zäune.)  


(Der Haupteingang.)  


(Beeindruckender langer Weg in die Festung.)  


(Erste grosse Kasematte - der schöne Personaleingang.)  

70ha sind eine Menge und aufgrund der Zeit war klar, dass wir vermutlich nicht die ganze Anlage mehr erkunden könnten. Aber dennoch versuchten wir das. Der Weg war recht lang und bestand aus einem schmalen Pfad der zwar als Feldweg begann aber zum Schluss eher ein dünner Trampelpfad nur noch war. Links neben uns war ein Hügel – das stellte sich heraus als Rückseite des Grabens. Man hat hier die Landschaft hervorragend zum Schutz der Anlage eingesetzt, das ganze hatte bisweilen etwas von einer mittelalterlichen Burg (nicht zuletzt durch die Mauern und eine runde Bauform des Eingangsbunkers, dazu gleich mehr).

 

Nach einer guten Viertelstunde Weg kamen wir am Vorposten der Anlage an – eine kleines, fast mittelalterlich anmutendes Eingangswerk das aus einer Etage mit vielen Schießscharten bestand, mit einem beeindruckenden Stahlzaun und langen in allen Richtungen abstehenden Stahlspitzen dazu. Über ein paar Holzbalken konnten wir einfach den kleinen Graben vor der Anlage überwinden und haben uns das Innere angesehen. Sehr viel war hier nicht zu entdecken, die Scharten von innen gaben aber ein perfektes Schussfeld ab auf den einzigen Zugang zu der Feste.


(Riesige Löcher in der Anlage - man erkennt das hier noch kein Stahlbeton genutzt wurde.)  


(Starke Zerstörungen im Bunker)


(Auf dem Weg durch die teils zerstörte Anlage.)    

Da hier sonst nicht viel zu sehen war, machten wir uns auf den Weg ins Innere der Anlage, der durch ein altes Tor im Stacheldraht und Zaun führte. Links und rechts neben dem weiter ansteigenden Weg waren hohe Mauern, so das schnell klar war, dass der einzige Weg ins Innere der Anlage richtig gut zu verteidigen war. Leider versperrten immer wieder umgestürzte Bäume den enger werdenden Pfad, hier kommen also weniger Besucher hin als zu anderen Anlagen. Aber auch der Weg fand schließlich ein Ende und nach einer knappen halben Stunde standen wir vor dem zugewucherten Artilleriewerk. Durch das hohe Unkraut machten wir uns auf den Weg zum Eingang, fanden aber auch einen kleinen Zugang links zum Tunnelsystem. Jedenfalls gingen wir in die große Anlage hinein und waren erstmal baff, wie sehr diese zerstört war. Eine steile, rutschige Treppe ging nach unten in einen Tunnel, aber wir sind zuerst ebenerdig zu den Panzerkuppeln gegangen. Hier war ungefähr so viel erhalten wie in Fort Koenigsmacker – Teile der Hülsenrutschen aber die Zerstörung des Werks war ungleich höher. Man merkte, das hier heftige Kämpfe passierten. Die dicken Mauern waren teilweise aufgeborsten, man möchte sich nicht vorstellen, was hier im Inneren der so massiv wirkenden Bauten passiert sein muss.


(Treppe hoch zum Geschützturm .)    


(Aufschriften an den Wänden noch erhalten.)    


(Auf dem Weg nach unten in die Hohlgänge.)     

Richtig beeindruckend waren hier die Reste der Geschützlafetten in den Panzertürmen. An denen vorbei ging es dann durch manche zerstörten Teile der Anlage nach Osten im Inneren. Dort am Ende fanden sich zwei Treppen, die nach unten führten. Wir folgten der ersten und erwarteten in ein großes Tunnelsystem zu kommen, das die Anlage quasi „umrunden“ würde. Doch nach einiger Zeit fanden wir zwar Gänge die in eine kleine Kuppel als Beobachter führten aber eben keine die Anlage umrundende Struktur. Offenbar ist der Plan falsch den ich hatte bzw. zeigte eine geplante Ausbaustufe und erst nach der Tour habe ich auf dem richtigen Plan erkannt, dass das kein Tunnel außen ist, sondern man hier den Graben um die Anlage eingezeichnet hat. Na dann…


(Am anderen Ende - Sicht nach oben in die Beobachterstellung.)     


(Auf dem Weg durch die Hohlgänge. Was da wohl mal am Haken hing...?)     


(Tausnede alte Teelichter. Nur - warum alle hier?.)      

So gingen wir also nach der Sackgasse den ganzen Weg wieder zurück bis zum Eingang der Anlage, was recht lange dauerte. Dort bin ich dann die Treppe runter und den Matschhaufen runtergeschliddert, aber hier hätte man im Nassen durchkriechen müssen und das wollte keiner spontan. Also wieder raus und rein in den kleinen zweiten Eingang. Der führte ebenfalls nach unten und dann weiter in ein kleines Gangsystem, am Ende kam man in einer Grabenstreiche heraus die schon noch spektakulär zu sehen war, aber leider wieder eine Einbahnstraße darstellte. Also flugs wieder den Weg zurück und bevor wir ein Abschiedsfoto machten, entschloss sich Alex noch zu einer kleinen Exkursion zum nächsten Gebäude, der Kaserne wie sich herausstellte.


(Alte Maskenfilter)     


(Schimmlige alte Tür)     


(Wie am ersten tag: Lagerregale, hier mit erhaltener Aufschrift an der Seite!)      


Die war über einen Trampelpfad gut erreichbar und so machten wir eine kleine Extratour und liefen auch hier im Schnellgang zehn Minuten durch. Leider eine gefährliche Sache, im Treppenhaus fehlt so einiges und auch die Front des Gebäudes wies beachtliche Löcher auf, durch die man leicht abstürzen kann.


(Auf dem Weg zur Kaserne.)     


(Untere Etage der Kaserne)     


(Aufgepasst! hier geht es mal eben 8m senkrecht runter weil die Treppe fehlt!)     

Das ausgerechnet hier tausende Airsoft BBs am Boden lagen: Drehen die steil? Das ist viel zu gefährlich hier mit sowas zu spielen, aber Airsoftler kennen da wohl nix. Hat man schon in der U-Verlagerung Kalk gesehen… Wir machten jedenfalls einige Bilder und mussten dann wirklich den Rückweg antreten. Der dauerte wieder recht lange, man ist durch das Unterholz schon etwas unterwegs, trotz Trampelpfad. Zudem ging es nun den ganzen Hügel ja wieder im Bogen zurück, das unterschätzt man wirklich.

 


(Eingestürztes Ende der Kaserne)     


(Aufschriften im Obergeschoss.)     


(Aussicht aus luftiger Höhe aus der Anlage heraus.)     


An den Autos angekommen wurde es Zeit sich zu verabschieden – wir nahmen uns alle noch einmal in den Arm, schnappten uns ein paar Getränke für die Fahrt und dann ging es los Richtung Heimat.


Die Rückfahrt war bis auf die Enge und Müdigkeit im Auto kein Problem, wir machten gut Meter und fuhren die gleiche Strecke quasi zurück wie wir gekommen waren. Nachdem wir dann Marc in Hagen abgesetzt hatten und die beiden anderen in Unna, kam ich ziemlich genau zehn Minuten vor Plan in Beckum an – wunderbar. Ein gelungenes Ende der Tour! Schnell die Familie begrüßt, geduscht, Auto ausgeräumt und dann für die Arbeit am nächsten Tag beladen und zack ging ein langes Wochenende mit Bunkertour bei einem Kaltgetränk angenehm zu Ende.


Finanziell lagen wir aufgrund der geringen Spritkosten bei durchaus guten 163,80 – das teurere Essen beim BBQ-Laden trug dazu bei und leider auch die gestiegenen Übernachtungskosten. Aber insgesamt noch ganz gut für drei Tage Tour 😊

 

 

Letzte Aktualisierung am 07.06.2024